Süddeutsche Zeitung

U-Bahn-Attentat in Weißrussland:Machterhalt à la Minsk

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Die Täter sind gefasst, die grauenvolle Tat von Minsk sei also aufgeklärt, sagt der weißrussische Präsident Lukaschenko. Doch der autoritäre Staatschef steht gewaltig unter Druck. Da lassen sich Festnahmen mutmaßlicher Verbrecher gut als innenpolitischer Erfolg verkaufen.

Frank Nienhuysen, Moskau

Es war der Tag der Trauer, und auch ein Tag des Triumphes. Jedenfalls ließ es sich der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko nicht nehmen, persönlich und mit sichtlichem Stolz die Botschaft von der "glänzenden Operation" seiner Sicherheitsleute zu verbreiten.

Die grauenvolle Tat von Minsk, der Anschlag auf die Metrostation, sei also aufgeklärt. Die Täter seien verhaftet. Warum sie es taten, ob jemand und wer sie dazu angestiftet hat, blieb zwar im Dunkeln. Aber das ist für den Minsker Dauerherrscher auch nicht entscheidend.

Lukaschenko ist etwas anderes wichtig: Sein gewaltiger Sicherheitsapparat musste schnell ein Ergebnis vorzeigen - wie belastbar dies am Ende auch sein wird. Wohl noch nie in seiner bisher 17-jährigen Amtszeit stand der autoritäre Staatschef derart unter Druck. Die Preise für Benzin und Lebensmittel sind zuletzt gestiegen - und mit ihnen der Zorn vieler Bürger. Moskau ziert sich mit Krediten, vom enttäuschten Westen hat er derzeit nichts zu erwarten.

Lukaschenko hat sein Land zielstrebig in die Isolation geführt, da lassen sich Festnahmen mutmaßlicher Verbrecher nicht nur als strafrechtlicher, sondern auch als innenpolitischer Erfolg verkaufen. Lukaschenko als alleiniger Garant von Stabilität - diese Botschaft werden die devoten staatlichen Medien nun an die Bevölkerung weitergeben.

Ob die Menschen Lukaschenko auch glauben, ist allerdings fraglich. Wie nervös der Präsident ist, zeigen seine Spontan-Attacken gegen die Opposition. Verhöre, Besuche, Drohungen, all das in den ersten Stunden nach dem Anschlag. Dies sind die Gesetze eines unfreien Landes: Machterhalt ist das oberste Gebot, selbst in Zeiten der Katastrophe.

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Quelle:
SZ vom 14.04.2011/hai
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