Süddeutsche Zeitung

Wahlen in Österreich:Schlappe für Rechtspopulisten in Kärnten

Im österreichischen Bundesland Kärnten erleidet die bislang regierende Freiheitliche Partei eine schwere Niederlage. Milliardär und Polit-Neuling Frank Stronach gewinnt fast jede zehnte Stimme bei der Landtagswahl - die Grünen schneiden noch besser ab und könnten mitregieren.

Die Kärntner Wähler haben die bisher regierenden Erben des verstorbenen Rechtspopulisten Jörg Haider nach Korruptionsskandalen am Sonntag offenbar abgewählt: Die rechte Partei FPK mit Landeshauptmann (Ministerpräsident) Gerhard Dörfler (57) verlor nach einer Hochrechnung des ORF mit ersten Auszählungsergebnissen mehr als die Hälfte und kam auf 20,8 Prozent der Stimmen.

Stärkste Partei wurde die sozialdemokratische SPÖ mit 34 Prozent. Damit wird der SPÖ-Spitzenkandidat Peter Kaiser wahrscheinlich neuer Landeshauptmann. "Ich bin glücklich, das Wahlziel ist in allen Belangen erreicht worden", sagte Kaiser in einer ersten Reaktion. Er beanspruche das Amt des Landeshauptmannes und werde mit allen Parteien Gespräche aufnehmen.

Eine Koalition mit der FPK schließe er aber wie im Wahlkampf weiterhin aus. Eine Dreikoalition mit der konservativen ÖVP und den Grünen habe wahrscheinlich einen hohen Nutzwert für das Land, sagte der Wahlsieger.

Die ÖVP kam in Österreichs südlichstem Bundesland nach ersten Schätzungen auf 17,6 Prozent. Die Grünen erhielten nach der Hochrechnung 10,7 Prozent, das ebenfalls auf Haider zurückgehende rechtspopulistische BZÖ 6,1 Prozent.

Konservative halten Mehrheit in Niederösterreich

Der Unternehmer Frank Stronach und seine Mitstreiter können ihren ersten Erfolg verbuchen: Der 80-jährige Polit-Neuling und Milliardär holte mit seinem "Team Stronach" 9,2 Prozent.

Da die konservative ÖVP wie auch die Grünen in einer ersten Reaktion bereits ihre Bereitschaft zur Koalition mit der SPÖ bekundeten, werden die Neulinge wahrscheinlich in der Opposition bleiben.

Der konservative Landeshauptmann (Ministerpräsident) Erwin Pröll (66) hat in Niederösterreich seine absolute Mehrheit verteidigen können. Der seit etwa zwei Jahrzehnten regierende Agrarökonom holte mit seiner konservativen ÖVP nach einer ersten Hochrechnung des ORF nach Auszählung von einem Drittel der Stimmen 51 Prozent. Die sozialdemokratische SPÖ kam auf 21,6 Prozent, die rechte FPÖ auf 8,5 Prozent und die Grünen holten 7,7 Prozent. Das "Team Stronach" wurde mit 9,7 Prozent drittstärkste Kraft.

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