Süddeutsche Zeitung

US-Wahl:Weitere Frauen werfen Trump sexuelle Belästigung vor

  • Sie habe über einen Job reden wollen, doch sei von Trump begrapscht und bedrängt worden, berichtet eine Ex-Kandidatin von Trumps Realityshow "The Apprentice".
  • Eine andere Frau, die 2003 von Trump belästigt worden sein soll, will nach eigenen Worten das Land aus Angst vor Trump-Fans verlassen.
  • Trump bezeichnet die Berichte als "Verleumdungen und Schmähungen", hinter denen das Wahlkampfteam seiner Rivalin Hillary Clinton stecke.

Zwei weitere Frauen haben dem republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump sexuelle Belästigung vorgeworfen. "Er begann mich aggressiv zu küssen und legte seine Hand auf meine Brust", berichtete Summer Zervos am Freitag bei einer Pressekonferenz in Los Angeles. Zervos hatte an Trumps Realityshow "The Apprentice" teilgenommen. Nachdem sie ausgeschieden war, blieb sie mit Trump in Kontakt und traf den Milliardär 2007 in einem Hotel in Beverly Hills.

Sie habe über einen Job reden wollen, stattdessen habe Trump sie geküsst und begrapscht. "Er umarmte mich und ich versuchte, ihn wegzudrängen. Ich drückte gegen seine Brust, um Raum zwischen uns zu bringen, und sagte 'Hey Mann, komm runter'." Er aber habe sie mit seinen Genitalien bedrängt. Zervos sagt, sie habe sich entschlossen, an die Öffentlichkeit zu gehen, nachdem Trump bestritten hatte, jemals Frauen belästigt zu haben.

Auch das frühere Model Kristin Anderson wirft Trump vor, er habe ihr in den frühen 90er Jahren in einem Nachtclub unter den Rock gegriffen und zwischen die Beine gefasst.

Über die 74-jährige Jessica Leeds, die den Immobilienmilliardär beschuldigt, sie vor mehr als 35 Jahren während eines Fluges betatscht zu haben, sagte Trump: "Glaubt mir, sie wäre nicht meine erste Wahl, das kann ich Euch sagen." Bei seinen Anhängern erntete Trump damit Gelächter. Eine weitere Frau, die 2003 von Trump belästigt worden sein soll, will nach eigenen Worten das Land aus Angst vor Trump-Fans verlassen. Sie werde seit ihrer Enthüllung massiv bedroht.

Trump sieht sich als Opfer einer Medienverschwörung

Trump bezeichnet die Berichte als "Verleumdungen und Schmähungen", hinter denen das Wahlkampfteam seiner Rivalin Hillary Clinton stecke. Gegen die New York Times, die die Berichte veröffentlichte, will Trump gerichtlich vorgehen. Er inszeniert sich vor seinen Anhängern als Opfer einer Medienverschwörung. "Die korrupten Medien tun alles in ihrer Macht Stehende, um unsere Bewegung zu stoppen", sagte er. Schuld daran sei auch der mexikanische Milliardär Carlos Slim, Hauptanteilseigner bei der New York Times. "Carlos Slim kommt, wie Ihr wisst, aus Mexiko. Er hat viele Millionen Dollar den Clintons und ihrer Initiative gegeben."

Die Affäre hatte begonnen, als die Washington Post vor gut einer Woche eine heimliche Aufzeichnung aus dem Jahr 2005 veröffentlicht hatte, in der Trump sich in vulgärer Weise mit Übergriffen gegen Frauen brüstet. Kurz danach meldeten sich mehrere Frauen zu Wort, die Trump sexuelle Belästigung vorwarfen. Die Vorwürfe haben Trump in den Umfragen deutlich absacken lassen, nachdem ihm zuvor alle Skandale und Kontroversen wenig anhaben konnten. Eine ganze Reihe prominenter Republikaner, allen voran Paul Ryan, der Sprecher des Repräsentantenhauses, distanzierten sich von ihm.

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