Süddeutsche Zeitung

Treffen in Stockholm:Nordkorea bricht Atomgespräche mit den USA am ersten Tag ab

  • Nordkorea hat die Gespräche mit den USA über die Atompolitik abgebrochen.
  • Unterhändler beider Regierungen waren in Stockholm zusammengekommen. Die USA wollen den Verzicht Nordkoreas auf Nuklearwaffen erreichen. Die Führung in Pjöngjang will ein Ende der Wirtschaftssanktionen.
  • Die US-Regierung sieht die Gespräche, anders als Nordkorea, nicht als gescheitert an und will in zwei Wochen einen neuen Anlauf unternehmen.

Nordkorea hat die Atomverhandlungen mit den USA nur kurz nach ihrer Wiederaufnahme abgebrochen. Die Erwartungen Nordkoreas seien nicht erfüllt worden, sagte Chefunterhändler Kim Myong-gil am Samstagabend in Schweden, wo beide Seiten am Rande der Hauptstadt Stockholm nach monatelangem Stillstand auf Arbeitsebene zusammengekommen waren.

"Die USA weckten Erwartungen, indem sie Vorschläge wie einen flexiblen Ansatz, neue Methoden und kreative Lösungen unterbreiteten. Sie haben uns jedoch sehr enttäuscht und unsere Begeisterung für Verhandlungen gedämpft, indem sie nichts auf den Verhandlungstisch gelegt haben." Nun liege es an Washington, den Dialog wiederaufzunehmen.

Anders als der Unterhändler Nordkoreas sehen die USA die Atomgespräche mit Pjöngjang nicht als gescheitert an. Die mehr als acht Stunden langen Gespräche in Stockholm seien "gut" gewesen, erklärte das US-Außenministerium am Samstag. Die amerikanische Seite habe die schwedische Einladung angenommen, in zwei Wochen zu einer weiteren Gesprächsrunde zusammenzukommen. Die USA und Nordkorea könnten nicht an einem Tag "70 Jahre Krieg und Feindseligkeit auf der koreanischen Halbinsel" beseitigen, hieß es.

Zuvor hatte sich US-Außenminister Mike Pompeo zuversichtlich gezeigt, dass in die Gespräche Bewegung kommen könnte. Dieser erste Austausch solle nach langer Pause die Grundlage für Verhandlungen "in den kommenden Wochen und Monaten" bilden, um nachhaltige Fortschritte zu erreichen, sagte er am Samstag vor Journalisten während eines Besuchs in Griechenland.

Das Treffen der Unterhändler in Stockholm war das erste Mal, dass Delegationen beider Länder sich zu Gesprächen trafen, seit US-Präsident Donald Trump und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un im Juni einen Neustart der Verhandlungen vereinbart hatten. Ein Gipfel der beiden im Februar war ergebnislos beendet worden. Die USA wollen den Verzicht Nordkoreas auf Nuklearwaffen erreichen.

Die Führung in Pjöngjang pocht auf die Aufhebung von Wirtschaftssanktionen. Vor wenigen Tagen hatte Nordkorea nur kurz nach der Ankündigung der Gespräche in Schweden die USA mit einem neuen Raketentest provoziert.

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SZ.de/Reuters/dpa/olkl/gal
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