Süddeutsche Zeitung

Nigeria:Von Boko Haram entführte Schülerin gerettet

  • Amina Ali war vor zwei Jahren von der Terrororganisation Boko Haram entführt worden - gemeinsam mit mehr als 200 anderen Mädchen.
  • Der Fundort gilt als eine Bastion von Boko Haram. Die Behörden vermuten dort weitere der entführten Schülerinnen.

In Nigeria ist erstmals eines der vor mehr als zwei Jahren entführten Mädchen gefunden worden. Ein Suchtrupp aus Zivilisten habe Amina Ali im Sambisa-Wald im Bundesstaat Borno aufgegriffen und zurück zu ihren Eltern gebracht, teilten Sprecher der Opferfamilien mit. Amina Ali war eine von mehr als 200 Schülerinnen, die seit April 2014 in der Hand der radikalislamischen Miliz Boko Haram sind. Von den übrigen Mädchen fehlt nach wie vor jede Spur.

Offenbar sei das nun befreite Mädchen in der Gefangenschaft schwanger geworden und habe ein Kind geboren, verlautete aus mehreren Quellen. Bestätigt wurde dies gegenüber AFP vom Sprecher der Opferfamilien, Ayuba Alamson Chibok, vom Vorsitzenden der Elterngruppe der entführten Mädchen, Yakubu Nkeki, und von einem Sprecher der Gruppe Bring Back Our Girls, Tsambido Hosea Abana. Der Sambisa-Wald gilt als eine Bastion von Boko Haram. Die Behörden vermuten dort weitere der entführten Mädchen. Die nigerianische Armee ist dort seit Wochen im Einsatz. Vergangenen Monat war ein Video aufgetaucht, das angeblich 15 der entführten Mädchen lebend zeigte.

Hintergrund zu den Entführungen

Boko-Haram-Kämpfer hatten am Abend des 14. April 2014 insgesamt 276 Mädchen aus einer staatlichen Schule in Chibok im nordöstlichen Teil Nigerias verschleppt. 57 Mädchen gelang wenigen Stunden später die Flucht, die übrigen 219 galten als vermisst. Die Rettung von Amina Ali könnte deren Eltern neue Hoffnung geben.

Die Entführung der Mädchen hatte erstmals die weltweite Aufmerksamkeit auf die Terrorgruppe Boko Haram in Nigeria gelenkt. Unter dem Slogan Bring Back Our Girls kämpften Eltern und Angehörige für die Rettung ihrer Kinder. Mit der Verbreitung des entsprechenden Hashtags wurde aus der Kampagne eine Internetbewegung, der sich auch US-Präsidentengattin Michelle Obama anschloss.

Plötzlich berichteten Medien weltweit über den Terror in Nigeria, was wiederum die mittlerweile abgelöste Regierung von Goodluck Jonathan unter Druck setzte. Vor allem, weil die nigerianische Armee nur halbherzig gegen Boko Haram vorzugehen schien. Erst Anfang 2015 brachte eine Militäroffensive die Wende (mehr dazu hier).

Mindestens 20 000 Menschen wurden in dem Konflikt bisher getötet, 2,6 Millionen Menschen durch die Gewalt in die Flucht getrieben. Boko Haram verschleppte zudem Tausende Mädchen und Frauen, um sie als Sexsklavinnen oder sogar Selbstmordattentäterinnen zu missbrauchen. Jungen und Männer werden verschleppt, um sie zum Kämpfen zu zwingen.

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