Süddeutsche Zeitung

Nach Rechtsextremen-Aufmarsch in Charlottesville:US-Vizepräsident Pence verurteilt Rassisten

  • Mike Pence verurteilt mit scharfen Worten die rechtsextremen Ausschreitungen in Charlottesville.
  • Der US-Vizepräsident hebt sich damit deutlich von US-Präsident Trump ab.
  • Der hatte "Gewalt von vielen Seiten" angeprangert - und sich damit erhebliche Kritik eingehandelt.

Führende Republikaner hatten die rechtsextremen Ausschreitungen im US-Bundesstaat Virginia am Wochenende scharf verurteilt. Nur US-Präsident Donald Trump vermied klare Schuldzuweisungen - und zog damit heftige Kritik auf sich. Vizepräsident Mike Pence fand nun deutlichere Worte gegenüber den extremen Rechten.

"Wir tolerieren den Hass und die Gewalt von Vertretern der weißen Vorherrschaft, von Neonazis oder dem Ku-Klux-Klan nicht", sagte Pence am Sonntag bei einem Besuch in Kolumbien. "Diese gefährlichen Gruppen haben keinen Platz im öffentlichen Leben in Amerika und wir verurteilen sie auf das Schärfste."

Bei dem Aufmarsch in der Universitätsstadt Charlottesville war am Samstag eine 32-jährige Frau getötet worden, als ein 20-Jähriger sein Auto offenbar absichtlich in eine Gruppe von Gegendemonstranten steuerte. Durch die Gewalt zwischen Anhängern der rechten Gruppen und ihren Gegnern wurden zudem nach Krankenhaus-Angaben 19 Menschen verletzt.

Unter den Teilnehmern des Aufmarschs waren auch Mitglieder der sogenannten Alt-Right-Bewegung. Diese hatte Trump im Präsidentschaftswahlkampf 2016 unterstützt. In seiner Reaktion auf die Vorfälle verurteilte der US-Präsident nicht explizit die Ausschreitungen der Rassisten, sondern sprach nur von "Gewalt von vielen Seiten" - und stellte damit die Rechtsextremen auf eine Stufe mit den antirassistischen Gegendemonstranten.

Scaramucci: Trump hätte viel härter sein sollen

Das rief erhebliche Kritik hervor - auch in Trumps eigener Partei. Führende Republikaner mahnten an, dass man "das Böse beim Namen nennen müsse", wie es Senator Cory Gardner formulierte. Das Weiße Haus bemühte sich daraufhin, dem Vorwurf entgegenzutreten, der Präsident distanziere sich nicht genug von den Ultrarechten. Trump habe "alle Formen der Gewalt, des Fanatismus und Hasses verurteilt, hieß es. Dies gelte "natürlich auch für Neonazis, den Ku-Klux-Klan und alle extremistischen Gruppen".

Auch der vor Kurzem nach nur zehn Tagen geschasste Ex-Kommunikationschef des Weißen Hauses, Anthony Scaramucci, ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen und kritisierte die vagen Äußerungen Trumps. "Ich hätte ihm dieses Statement nicht empfohlen", sagte Scaramucci am Sonntag dem US-Sender ABC News in seinem ersten Interview nach seiner Entlassung. "Er (Trump) hätte viel härter sein sollen im Umgang mit den weißen Rassisten." Der Angriff sei eine Form von Terrorismus gewesen.

Der ehemalige Investor aus New York feuerte auch gegen Trumps Chef-Strategen Steve Bannon. Dessen Toleranz für weißen Nationalismus und die Ideologie der weißen Vorherrschaft sei unverzeihlich, von diesem "Nonsens" solle sich der Präsident verabschieden, sagte Scaramucci.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.3627699
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ.de/AFP/dpa/gal/ees
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.