Süddeutsche Zeitung

Italien:Wenig Saus bei Berlusconi-Feier

Italiens Ex-Premier Berlusconi wird 80 - und feiert erstaunlich bescheiden. Die Gästeliste ist mager. Und nicht einmal das Menü wurde vorab bekannt. Lässt sich die Zurückhaltung politisch erklären?

Von Oliver Meiler, Rom

Eine dürre Gästeliste, wenig Saus. Zum Geburtstagsfest von Silvio Berlusconi, so erfährt man es aus dem bunten Wochenmagazin Chi, sind nur seine Kinder und Enkel nach Arcore geladen, dazu sein Leibarzt, der Verteidiger in allen großen Justizschlachten, sein treuer Geschäftspartner Fedele Confalonieri, seine 31-jährige Verlobte Francesca Pascale, sein Lieblingsbarde Mariano Apicella, drei Politiker ohne internationale Fama.

Man hätte sich ja denken können, dass Berlusconi für seinen Achtzigsten zum Beispiel auch noch Wladimir Putin und George W. Bush einfliegen würde, zwei Freunde von früher. Damit die alte Größe noch einmal anklingt.

Stattdessen ist die Feier privat, intim fast. Nicht einmal das Menü wurde vorab bekannt, wie das früher immer der Fall war. Man weiß nur, dass es keinen Fisch geben wird. Vielleicht liegt es daran, dass ihm die Ärzte nach seiner Herzoperation vor einigen Monaten zur Ruhe raten. Vielleicht ist diese plötzliche Privatheit aber auch ein Zeichen, das sich politisch erklären lässt.

Die Revue Chi aus dem hauseigenen Verlag Mondadori hat Berlusconi zum Geburtstag exklusiv interviewt. Italiens mehrfacher Ex-Premier sagt da einige interessante Dinge, zum Beispiel: "Die Politik hat mich nie begeistert, mit ihr habe ich nur Zeit und Energie verloren."

Er habe auch keine Freunde aus der Politik, was ihn aber keineswegs mit Ranküne erfülle. Etwas Selbstlob musste dann doch schon auch sein: "Ich habe nie Fehler gemacht, weder in der nationalen noch in der internationalen Politik." Es wirkt, als bilanziere er schon abschließend.

Dabei gäbe es gerade jetzt eine Rolle, in die er leicht schlüpfen könnte und die ihn auf einen Schlag wieder ins Zentrum der nationalen Politbühne rücken würde. Berlusconi bräuchte dafür nur über seinen Schatten zu springen, ein Bekenntnis zur Verfassungsreform abzugeben und sich für das "Ja" beim Referendum vom 4. Dezember zu engagieren.

Inhaltlich spräche nichts dagegen: Die Reform, die der linke Ministerpräsident Matteo Renzi nun fast allein vors Volk trägt, entspricht dem liberalen Credo von Berlusconis Partei Forza Italia. Viele seiner Wähler warten nur darauf, dass er ihr seinen Segen doch noch gibt.

Will Berlusconi Renzi stürzen?

Bisher tat Berlusconi die Reform als Teufelszeug ab, obschon er einst am Tisch mit Renzi darüber verhandelt hatte - im sogenannten "Pakt des Nazareno". Doch dann zerbrach dieses Reformbündnis am 31. Januar 2015, bei der Wahl des Staatspräsidenten.

Berlusconi hat bis heute nicht verwunden, dass Renzi ihn damals düpierte und den linken Christdemokraten Sergio Mattarella unterstützte; sie hatten sich damals offenbar auf den Sozialisten Giuliano Amato geeinigt. Berlusconi sagt, die gemeinsame Wahl des Präsidenten sei integraler Teil des "Patto del Nazareno" gewesen.

Seither reden die beiden nicht mehr miteinander. Würde sich Berlusconi nun allen Animositäten zum Trotz für das "Sì" einsetzen, wie ihm das auch bürgerliche Zeitungen anraten, könnte er behaupten, er habe bei der Reformierung des Landes mitgeholfen. Als Regierungschef war ihm nichts ähnlich Bedeutsames gelungen wie die Revision der Verfassung.

Möglich wäre aber auch, dass Berlusconi den halb so alten Renzi stürzen sehen möchte - in der Hoffnung, in Italien erinnere man sich dann wieder an Forza Italia. Es kann nur eine schwache Hoffnung sein. Forza Italia hat noch immer keine Persönlichkeit gefunden, die Berlusconi beerben könnte. Die Partei bringt es in den Umfragen zu den Wahlabsichten der Italiener nur noch auf ungefähr zwölf Prozent. Offenbar mangelt es nicht nur dem Chef an Kraft und Begeisterung.

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SZ vom 29.09.2016/gal
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