Süddeutsche Zeitung

Global Peace Index:Zahl der Toten durch Konflikte so hoch wie seit 1994 nicht mehr

Im vergangenen Jahr starben laut dem Global Peace Index weltweit 238 000 Menschen infolge von Kampfhandlungen. Die meisten Opfer gab es in Äthiopien.

Seit dem Völkermord in Ruanda, der 1994 etwa 800 000 Menschen das Leben kostete, sind nicht mehr so viele Menschen in bewaffneten Konflikten gestorben, wie im vergangenen Jahr. Das geht aus dem Global Peace Index der Denkfabrik Institute for Economics and Peace (IEP) hervor, der am Mittwoch in London veröffentlicht wurde. Demnach starben im vergangenen Jahr weltweit 238 000 Menschen infolge von Kampfhandlungen.

Der Konflikt mit den meisten Opfern 2022 war bei Weitem der Tigray-Konflikt in Äthiopien. Dort kamen dem Bericht zufolge im Jahr 2022 mehr als 100 000 Menschen bei Kämpfen ums Leben. Noch einmal über 200 000 Menschen starben dort außerdem durch Hunger und Krankheiten, die eine direkte Folge der Auseinandersetzungen zwischen äthiopischen und eritreischen Regierungstruppen und den Rebellen der TPLF (Tigray People's Liberation Front) waren.

An zweiter Stelle steht der russische Angriffskrieg in der Ukraine. Dort verloren im vergangenen Jahr laut IEP-Angaben mindestens 82 000 Menschen ihr Leben. Die IEP-Experten schätzen zudem, dass 65 Prozent der ukrainischen Männer im Alter zwischen 20 und 24 Jahren entweder geflohen sind oder im Krieg getötet wurden.

Dass der Tigray-Konflikt im Vergleich zum Krieg in der Ukraine kaum wahrgenommen wurde, liegt laut IEP-Gründer Steve Killelea unter anderem daran, dass er aus europäischer Sicht geografisch weiter entfernt ist. Zudem habe die äthiopische Regierung die Berichterstattung durch Medien unterdrückt und den Zugang zum Internet stark eingeschränkt.

Im Global Peace Index bewerten die Experten des IEP das Maß an Frieden in 163 Ländern der Welt. Zu den berücksichtigten Faktoren gehören neben der Zahl der Toten durch interne und internationale Konflikte beispielsweise auch die Mordrate, der Grad der Militarisierung, Waffenexporte, Terrorismus, politische Instabilität und die Zahl der Gefängnisinsassen. Daraus erstellen sie eine Rangliste der Länder vom friedlichsten Land zu dem mit dem geringsten Maß an Frieden.

Die drei friedlichsten Länder der Welt sind dem Index zufolge Island, Dänemark und Irland. Die Schlusslichter bilden in aufsteigender Reihenfolge Afghanistan, der Jemen und Syrien. Deutschland belegt Rang 15. Insgesamt wurde die Welt 2022 zum neunten Mal in Folge weniger friedlich, wie aus dem Index hervorgeht.

Blockade Taiwans hätte gravierende Folgen

Neben der Zahl der Toten und dem Grad des Friedens schätzen die Experten auch die wirtschaftlichen Kosten von bewaffneten Konflikten. Diese beliefen sich demnach im vergangenen Jahr auf 17,5 Billionen US-Dollar (etwa 16 Billionen Euro). Das entspricht 13 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts.

Bei den ökonomischen Folgen bewertet das Institut auch mögliche zukünftige Szenarien: Eine wirtschaftliche Blockade Taiwans durch China hätte demnach doppelt so schwere Auswirkungen auf die Weltwirtschaft wie die Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008. Unter anderem Deutschland wäre als wichtiger Handelspartner beider Länder davon stark betroffen, so die Einschätzung.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5976798
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ/dpa/vgz/dta/laug
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.