Süddeutsche Zeitung

Flüchtlinge in Deutschland:Fall des terrorverdächtigen Soldaten belegt die chaotischen Zustände 2015

Der Verdächtige gab sich als Flüchtling aus und soll einen Anschlag geplant haben. Die dringlichsten Fragen sind: Was lief bei Bundeswehr und in den Ausländerbehörden schief?

Kommentar von Joachim Käppner

Als Asylbewerber schmuggelt sich ein deutscher Offizier ins eigene Land ein, wird akzeptiert und aufgenommen; er bekommt ein Konto, Geld vom Staat und plant als falscher Syrer, möglicherweise, einen ausländerfeindlich motivierten Anschlag.

Man muss nicht das im Lande so beliebte Blame Game betreiben, das Spiel der Schuldzuweisungen, um die schlichte Frage zu stellen: Wie um alles in der Welt ist so etwas möglich?

Was lief in den Ausländerbehörden schief?

Was die menschliche Seite angeht, ist das leider nicht so erstaunlich in einer Zeit, in der ein islamistischer Terrorist einen Lastwagen in einen Weihnachtsmarkt steuert und ein Krimineller den Bus eines Fußballvereins ansprengt, wohl um schmutzige Aktiendeals zu machen. Destruktivität kennt weder Verstand noch Grenzen.

Dringlicher ist die Frage, was bei der Bundeswehr und vor allem in den Ausländerbehörden schieflief. Der Fall wirft auch ein Licht auf die chaotischen Zustände Ende 2015, als die Bundesregierung in einem deutschen Alleingang Hunderttausende Flüchtlinge aus dem Nahen Osten aufnahm.

Bei der hastigen Registrierung der vielen Menschen gab es, wie man inzwischen weiß, zahlreiche Lücken und Mängel; bei manchen wusste niemand mehr, wer sie waren und wo sie sich in Deutschland aufhielten. Der Fall des Offiziers, so obskur er anmuten mag, ist zumindest dafür ein trauriger Beleg.

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Quelle:
SZ vom 28.04.2017
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