Süddeutsche Zeitung

Ausbildung:Minimum 1000 Euro

Angehende Psychotherapeuten sollen besser vergütet werden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat einen entsprechenden Entwurf vorgelegt. Zum Wintersemester 2020 will er einen neuen, fünfjährigen Studiengang einführen.

Nachdem angehende Psychotherapeuten gegen eine von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geplante Ausbildungsreform protestiert hatten, will Spahn nun dafür sorgen, dass auch diejenigen mehr Geld für ihre Arbeit bekommen, die ihre Ausbildung bereits angefangen haben. Psychotherapeuten in Ausbildung sollen "während der praktischen Tätigkeit mindestens 1000 Euro monatlich erhalten", kündigte Spahn an. Auch Auszubildende, bei denen "ein besonderer Härtefall" wie etwa Kindererziehung oder Pflege eingetreten ist, sollen einem Entwurf zufolge diese Vergütung bekommen. Zudem solle ein Anteil von mindestens 40 Prozent an der Vergütung, die Ausbildungsinstitute für die Patientenbehandlungen durch angehende Therapeuten erhalten, an diese weitergeleitet werden, sagte er. Denn schließlich ist in seinem Gesetz eine Übergangszeit von zwölf Jahren vorgesehen.

Zum Wintersemester 2020 will Spahn einen neuen, fünfjährigen Studiengang für Psychotherapeuten einführen. Um anschließend die Zulassung für die Behandlung von Kassenpatienten zu bekommen, müssen die Absolventen dieser neuen Hochschullaufbahn - wie schon heute - eine Weiterbildung in einer stationären Einrichtung absolvieren. Doch anders als die jetzigen angehenden psychologischen Therapeuten sollen die Absolventen der Zukunft nicht mehr bloß als Praktikanten beschäftigt sein. Mit ihrem Studienabschluss sollen sie künftig auch eine Approbation erhalten und dementsprechend in einem normalen Angestelltenverhältnis arbeiten können - mit entsprechendem Gehalt.

Die Vorsitzende der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung, Barbara Lubisch, begrüßt die Reform und auch die von Spahn angekündigten Änderungen für heutige Auszubildende grundsätzlich. Allerdings sei die Ausbildung der künftigen Psychotherapeuten damit trotzdem noch nicht unbedingt kostendeckend. Denn die Institute, in denen die werdenden Therapeuten Patienten behandeln, verlangten nach wie vor Geld für ihre Kurse. Auch wenn 40 Prozent der Einnahmen solcher Einrichtungen wieder zurück an die jungen Behandler flössen, sei deren Lebensunterhalt damit noch nicht unbedingt gedeckt, sagt Lubisch. Auch die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, Maria Klein-Schmeink, kritisiert, dass in der ambulanten Weiterbildung "weiterhin enorme finanzielle Belastungen" auf die heutigen und künftigen Auszubildenden zukommen würden, "da ein erheblicher Anteil an den Weiterbildungskosten immer noch selbst getragen werden muss".

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Quelle:
SZ vom 21.09.2019
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