Süddeutsche Zeitung

Abstimmung in Großbritannien:Cameron und Miliband rufen letzte Wähler auf

  • Die Wahl zum britischen Unterhaus dürfte denkbar knapp ausfallen. Labour und Konservative liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen.
  • Allerdings wird wohl keine der großen Parteien eine absolute Mehrheit der Sitze im Unterhaus erzielen. Spannend wird deshalb auch das Abschneiden der kleinen Parteien.
  • Auch Europa verfolgt die Unterhauswahl gespannt. Im Falle einer Wiederwahl Camerons droht ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft der Briten.

Enges Rennen bei Unterhauswahl

Bei der Parlamentswahl in Großbritannien zeichnet sich ein extrem enges Rennen ab. Umfragen sehen eine Patt-Situation zwischen den konservativen Tories von Premierminister David Cameron und der oppositionellen Labour-Partei von Herausforderer Ed Miliband. Forscher prognostizieren die knappste Abstimmung seit Jahrzehnten. Die beiden Spitzenkandidaten versuchen deswegen, auch noch zwei Stunden vor Schließung der Wahllokale über Twitter die letzten Wähler zu mobilisieren (siehe hier Cameron und hier Miliband).

Lange Schlangen vor Wahllokalen - hohe Wahlbeteiligung?

Auf Twitter posten Wähler Bilder, auf denen lange Schlangen vor britischen Wahllokalen zu sehen sind (zum Beispiel hier). Der Guardian spricht in seinem Wahl-Liveblog die Hoffnung aus, dass dies ein Hinweis auf eine hohe Wahlbeteilung sein könnte - oder einfach nur schlechte Organisation?

Labour-Anhänger hacken sich in englischsprachige Wikipedia

Hacker haben die englischen Wikipedia-Seiten von verschiedenen britischen Politikern lahmgelegt. Statt Informationen über den konservativen Premierminister David Cameron oder den Rechtspopulisten Nigel Farage (Ukip) erschien dort ein Foto des Labour-Spitzenkandidaten Ed Miliband auf rotem Hintergrund mit dem Aufruf "Vote Labour" (Wählt Labour). "Da hat ein anonymer Nutzer, der versteht, wie Wikipedia funktioniert, etwas manipuliert", sagte der Sprecher der Wikipedia-Stiftung Wikimedia. "Zum Glück haben wir sehr aktive Freiwillige, die das gleich gemerkt und rückgängig gemacht haben." Die Artikel selbst seien nicht manipuliert worden.

Spitzenkandidaten geben Stimme ab

Cameron, Miliband, Vizepremier Nick Clegg von den Liberaldemokraten und der Rechtspopulist Nigel Farage von der eurokritischen United Kingdom Independence Party (Ukip) gaben ihre Stimme bereits am Vormittag ab (zu den Bildern). Die 50 000 Wahllokale in den 650 Wahlkreisen öffneten um 8 Uhr. Ein Teil der Wähler hatte schon vorher per Briefwahl abgestimmt. Dazu zählen auch die Soldaten der Royal Army, die im Ausland - auch in Deutschland - stationiert sind.

Es droht das hung parliament

Ob Cameron seine Regierungskoalition mit den Liberaldemokraten weiterführen kann, ist fraglich. Experten befürchten nach der Wahl eine Hängepartie, ein hung parliament (dazu eine Analyse von SZ-Korrespondent Christian Zaschke), sollten keine klaren Mehrheiten zustande kommen. Cameron hat mit den Liberaldemokraten und möglicherweise der nordirischen Regionalpartei DUP deutlich weniger Bündnisoptionen als sein Herausforderer.

In Falle von Camerons Wiederwahl EU-Referendum

Die britische Wahl wird in ganz Europa mit großem Interesse verfolgt. Cameron hat im Fall einer Wiederwahl ein Referendum über den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union angekündigt. Als sicher gilt ein großer Erfolg der schottischen Nationalisten von der SNP. Ihnen wird im Norden von Großbritannien ein überwältigender Sieg mit über 50 der 59 dort zu vergebenden Sitze vorausgesagt. Bisher konnte die SNP nur sechs Parlamentarier nach Westminster schicken. Mit Spannung wird auch das Abschneiden von Nigel Farages rechtspopulistischer und EU-feindlicher Ukip erwartet.

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