Süddeutsche Zeitung

Verschollener Frachter Arctic Sea:Unbekannte fordern Lösegeld

Die Verwirrung wird immer größer: Nach widersprüchlichen Meldungen, die Arctic Sea sei gesichtet worden, soll die Reederei nun eine Lösegeldforderung erhalten haben.

Der Fall des verschollenen Frachters Arctic Sea wird immer mysteriöser. Meldungen, wonach das Schiff bei den Kapverdischen Inseln und vor der französischen Küste gesichtet worden sein soll, wurden gleichermaßen dementiert.

Zudem berichtete die finnische Agentur STT von einer Lösegeldforderung, die bei der finnischen Reederei Solchart eingegangen sei. Es blieb zunächst aber unklar, von wem die Forderung stammt, wann sie einging und wie viel Geld gefordert wurde. Die Agentur berief sich in ihrer Meldung auf den finnischen Geheimdienst.

"Ein Fall von schwerer Erpressung"

Ein Sprecher der finnischen Polizei sagte am Samstag in Helsinki, der von den Schiffsbesitzern verlangte Betrag sei "beträchtlich, aber nicht gewaltig. Wir untersuchen einen Fall von schwerer Erpressung." Die genaue Summe wollte er ebenso wenig preisgeben wie Details darüber, auf welchem Wege die Forderung gestellt wurde.

Solchart-Chef Viktor Matwejew lehnte eine Stellungnahme zu einer Lösegeldforderung ab. Er konzentriere sich derzeit darauf, das verschollene Schiff zu finden. "Ich schlafe nicht, ich esse nicht. Ich arbeit derzeit 24 Stunden am Tag", sagte der Reederei-Chef der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir hoffen, dass die Besatzung am Leben ist."

Die Suche nach dem finnischen Frachtschiff ist in vollem Gang und entwickelt sich erfolgreich, sagte der russische Nato-Botschafter Dmitri Rogosin im russischen Fernsehen. Wie die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass weiter berichtete, betonte Rogosin, allein Russland habe die vollständigen Informationen, um eine geeignete, wohl überlegte Entscheidung zu treffen. Alle andere Versionen im Internet und der Presse seien mehr mit Spekulationen verbunden. Einzelheiten nannte Rogosin nicht.

Laut Itar-Tass ermitteln die Polizeibehörden in Finnland, Schweden und Malta in Zusammenarbeit mit Kollegen in mehr als 20 Ländern, Interpol und Europol, um das Rätsel des Verbleibs des in Malta registrierten Schiffs aufzuklären. Die Agentur zitierte weiter eine offizielle Erklärung der maltesischen Schifffahrtsbehörde, wonach es unmöglich sei, die Öffentlichkeit zur Zeit zu informieren. Die Lage werde durch die Lösegeldforderung und die Gefahr für das Leben und die Gesundheit der Besatzung kompliziert.

Der Frachter Arctic Sea war unter maltesischer Flagge mit Holz im Wert von etwa einer Million Euro auf dem Weg von Finnland nach Algerien. Dort sollte das Schiff mit 15 russischen Besatzungsmitgliedern an Bord am 4. August einlaufen. Es kam jedoch nie an. Die russische Marine sucht nach dem Schiff.

Die russische Agentur RIA hatte unter Berufung auf den russischen Botschafter in Kap Verde, Alexander Karpuschin, gemeldet, das Schiff befinde sich nicht vor dem Inselstaat westlich von Afrika. Berichte, wonach das Schiff 400 Seemeilen nördlich der Insel Santo Antao liege, hätten sich nicht bestätigt, sagte Karpuschin nach einem Treffen mit Militärvertretern des Inselstaates.

Am Freitagabend hatten mehrere Medien unter Berufung auf offizielle Quellen gemeldet, die Arctic Sea sei von der Marine der Kap Verden vor Westafrika gesichtet worden sei. Die französische Marine dementierte unterdessen russische Medienberichte, wonach sich der Frachter vor der französischen Küste befinde.

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