Süddeutsche Zeitung

Katholische Kirche:Papst vergleicht Abtreibung mit Auftragsmord

  • "Wie kann eine Handlung, die unschuldiges Leben beseitigt, therapeutisch, zivilisiert und menschlich sein?", fragte der Papst bei seiner Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom.
  • Früher bereits hatte Franziskus Abtreibungen von Föten mit Behinderung oder schweren Krankheiten mit Programmen der Nationalsozialisten verglichen.

Papst Franziskus hat Abtreibung mit Auftragsmord verglichen. "Einen Menschen zu beseitigen ist wie die Inanspruchnahme eines Auftragsmörders, um ein Problem zu lösen", sagte der Papst bei seiner Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom. Seine Predigt befasste sich mit dem biblischen Tötungsverbot. "Wie kann eine Handlung, die unschuldiges Leben beseitigt, therapeutisch, zivilisiert und menschlich sein?", fragte er.

Franziskus hatte in der Vergangenheit die Kirche dafür kritisiert, sich zu sehr auf Abtreibungs- und Verhütungsdebatten zu konzentrieren. Im Juni verglich er Abtreibungen von Föten mit Behinderung oder schweren Krankheiten mit Programmen der Nationalsozialisten: "Im vergangenen Jahrhundert war die ganze Welt schockiert davon, was die Nazis getan haben, um die Reinheit der Rasse sicherzustellen. Heute tun wir dasselbe, nur mit weißen Handschuhen." Man sollte Kinder so akzeptieren, wie sie seien, auch wenn sie manchmal krank seien, fügte er hinzu. "Um ein ruhiges Leben zu bewahren, wird ein Unschuldiger plattgemacht." Wenn Eltern die Diagnose einer schweren Behinderung ihres ungeborenen Kindes bekämen, bräuchten sie "wahre Nähe" und Solidarität, um ihre Ängste zu überwinden. "Stattdessen bekommen sie hastige Ratschläge, die Schwangerschaft abzubrechen", führte Franziskus in seiner Rede aus.

Im Jahr 2015 hatte Franziskus sich noch zurückhaltender zum Thema Abtreibung geäußert. Zwar verurteilte er diese auch damals als Sünde, äußerte aber zugleich Verständnis für Frauen, die sich in einer Notsituation für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden. "Ich bin sehr vielen Frauen begegnet, die in ihrem Herzen die Narben dieser leidvollen und schmerzhaften Entscheidung trugen", schrieb der Papst damals in einem Brief. Er wisse um den Druck, der manche Frauen zu dieser Entscheidung bewogen habe. Es sei "eine existenzielle und moralische Tragödie".

Fraglich ist, was den Papst nun zu der scharfen Äußerung bewogen hat. Möglicherweise will er nur seine konservativen Kritiker in der Kurie besänftigen. Es könnte aber auch sein, dass der Satz vom Auftragsmord eine jene Sätze ist, die Franziskus - wie so oft zuvor - relativ spontan gemacht hat und die seine Mitarbeiter anschließend wieder relativieren.

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