Süddeutsche Zeitung

Ölpest im Golf von Mexiko:Obama reist ins Katastrophengebiet

Innerhalb von 48 Stunden will sich der US-Präsident persönlich einen Eindruck von der Ölkatastrophe verschaffen - in vier Bundesstaaten herrscht Notstand.

Angesichts des wachsenden Ölteppichs im Golf von Mexiko und ersten Ölverschmutzungen an der Küste von Louisiana bereiten sich die USA auf eine der schwersten Umweltkatastrophen in der Geschichte des Landes vor. US-Präsident Barack Obama wollte sich am Wochenende vor Ort einen Eindruck verschaffen, wie das Weiße Haus mitteilte. Nach den Bundesstaaten Louisiana und Florida riefen auch Alabama und Mississippi den Notstand aus.

Obama wolle in den kommenden 48 Stunden das Gebiet besuchen und die bislang angeordneten Maßnahmen der Regierung überprüfen, sagte ein Vertreter des Weißen Hauses am Samstagmorgen (Ortszeit).

Erst Ende März hatte der US-Präsident eine Wende in der Energiepolitik eingeleitet und umstrittene Öl- und Gasbohrungen vor der Atlantik-Küste grundsätzlich zugelassen. Obama will damit die Abhängigkeit des Landes von Energie-Importen verringern. Unter dem Eindruck der Katastrophe legte die US-Regierung die umstrittenen Tiefseebohrungen nun auf Eis. Allerdings waren kurzfristig auch keine weiteren Genehmigungen für Ölbohrplattformen geplant.

Obama gibt nun den grünen Krisenmanager, von der Offshore-Förderung will die US-Regierung offenbar aber nicht abgehen. Bis Ende des Jahres sind zwei zusätzliche Lizenzen im Golf von Mexiko geplant. 2011 sollen dann vier weitere Lizenzen dort und vor Alaska folgen, 2012 weitere Ölbohrungen vor der Küste von Virginia.

1900 Helfer, 6000 Nationalgardisten

Allerdings werden die Sicherheitshürden dabei erhöht: Der US-Präsident teilte mit, dass neue Ölbohrplattformen vor der Küste nur dann genehmigt würden, wenn sie zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen nachweisen. Damit solle eine Wiederholung der Katastrophe im Golf von Mexiko verhindert werden. Er wies Innenminister Salazar an, innerhalb von 30 Tagen einen Bericht über neue technische Möglichkeiten zur Absicherung der Offshore-Förderung vorzulegen.

Rund 1900 Einsatzkräfte seien mit 300 Booten und Flugzeugen im Einsatz gegen die Ölpest, erklärte er.

Laut einem Pressebericht befürchtet die US-Küstenwache ein noch schlimmeres Ausmaß der Ölkatastrophe als bislang angenommen. Unter Berufung auf einen vertraulichen Bericht der Nationalen Behörde für Ozeane und Atmosphäre berichtete die in Alabama erscheinende Zeitung Mobile Press-Register, dass die Ölquelle völlig unkontrollierbar werden könne, falls sich der Zustand des Steigrohrs weiter verschlechtere.

Innenminister Salazar forderte den britischen Ölkonzern BP auf, seine Anstrengungen zur Eindämmung der Ölpest zu verstärken. "Wir können und wir werden nicht ruhen, bis BP das Bohrloch verschlossen und jeden Tropfen Öl beseitigt hat", sagte Salazar. Der Gouverneur von Louisiana, Bobby Jindal, forderte BP auf, noch mehr Hilfe von den Bundesbehörden einzufordern. "Ich habe die Sorge, dass die Ressourcen von BP nicht angemessen sind", sagte Jindal.

Das US-Verteidigungsministerium genehmigte den Einsatz der Nationalgarde in Louisiana, nachdem Jindal die Entsendung von 6000 Reservisten angefordert hatte. Jindal teilte zudem mit, dass auch der Einsatz von Häftlingen des Bundesstaates erwogen werde.

Der Ölteppich sei eine "ernsthafte Bedrohung für unsere Umwelt und unsere Wirtschaft", sagte der Gouverneur von Alabama, Bob Riley. Im Bundesstaat Mississippi wies Gouverneur Haley Barbour die Nationalgarde an, die örtlichen Einsatzkräfte im Kampf gegen die Ölpest zu unterstützen.

Seit dem Untergang der von BP betriebenen Ölplattform fließen täglich rund 800.000 Liter Öl ins Meer. Der Ölteppich hat inzwischen eine Größe von 210 mal 112 Kilometern erreicht. Wegendes heftigen Südwinds wird erwartet, dass das Öl bis Montag auch die Küsten der US-Staaten Mississippi, Alabama und Florida erreicht.

BP - von der Katastrophe überrascht

In den USA wächst damit die Befürchtung, dass eine noch verheerendere Ölpest droht als nach dem Unglück des Tankers Exxon Valdez im Jahr 1989 vor der Küste Alaskas. Damals waren fast 40.000 Tonnen Öl ausgelaufen und hatten eine beispiellose Umweltkatastrophe ausgelöst.

Der Ölkonzern BP ist vom Ausmaß der Ölkatastrophe völlig überrascht worden. Was sich dort ereignet habe, sei beispiellos, sagte BP-Sprecher David Nicholas. "So etwas haben wir noch nicht erlebt, einen Ausbruch in dieser Tiefe."

BP hat zehn Untersee-Roboter im Einsatz, die bislang erfolglos versuchen, die Lecks in 1500 Metern Tiefe zu schließen. Gleichzeitig bauen Ingenieure eine riesige Kuppel, um das ausströmende Öl unter der Wasseroberfläche einzufangen und von dort abzupumpen - doch deren Fertigstellung dauert mindestens zwei Wochen. Hoher Wellengang machte weiterhin auch alle Bemühungen zunichte, den Ölteppich an der Oberfläche mit schwimmenden Barrieren einzudämmen.

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