Süddeutsche Zeitung

Kriminalität:Aus dem letzten Loch

Arbeiter entdecken einen ominösen Tunnel und verhindern offenbar einen hollywoodreifen Bankraub. Mit ihrem gescheiterten Vorhaben sind die Räuber in bester Gesellschaft.

Von Viktoria Spinrad

Der Teufel steckt im Detail. In diesem Fall in Pflastersteinen, die sich plötzlich krümmten, Bodenstücken, die immer schiefer wurden auf dem Parkplatz neben einer Bank im nordrhein-westfälischen Spenge. Wo vorher eine Ebene war, wurde der Boden zur Buckelpiste. Die Leitung der Bank vermutete einen Wasserschaden. Also beauftragte das Geldinstitut Bauarbeiter damit, die Wogen vor der Haustür zu glätten.

Hier könnte die Geschichte enden. Hätten die Arbeiter bei ihrem Einsatz nicht einen Fund gemacht, auf den die Panzerknacker stolz gewesen wären: Zwei Meter unter den verräterischen Pflastersteinen schlängelte sich unter einer Decke aus Holzplanken ein etwa ein Meter breiter und sieben Meter langer Tunnel. Am Ende der unterirdischen Strecke: die Volksbank der 15 000-Einwohner-Stadt. Es wäre wohl ein hollywoodreifer Bankraub geworden, wären die unvollendeten Räuber nicht kurz vor dem Durchbruch aufgeflogen.

Immerhin sind sie damit in bester Gesellschaft. Was früher der Postkutschen-Überfall war, ist heute ein maskierter Besuch im Wohnzimmer des Kapitals. Nur, dass dieser oft an der hemdsärmeligen Herangehensweise scheitert. Zum Beispiel an der schlechten Vorrecherche. Im sächsischen Zabeltitz zum Beispiel stürmten im Januar Täter einen Friseursalon, der zwar ein kleines Sparkassenbüro für Beratungsgespräche beheimatete, aber zum Leidwesen der Männer keine größeren Reichtümer. Also brausten die Männer wieder davon.

Vier Bankräuber im österreichischen Allhaming hatten sich vor einigen Jahren hingegen eine echte Bank ausgesucht. Und sie waren extra früh dran. Allerdings so früh, dass es schon wieder zu früh war: Die Sicherheitsschleuse vor dem Bankschalter hatte noch gar nicht auf. Dahinter sah ein Angestellter die frühen Vögel und rief die Polizei. Da waren die Männer schon wieder auf dem Heimweg.

Schon Bertolt Brecht soll es besser gewusst haben

Auch die gewählte Waffe wirkt manchmal eher pazifistisch als professionell. So versuchte ein 24 Jahre alter Mann in Wien einmal, eine Bank mit einem Löffel in der Hand auszurauben. Das Besteck beeindruckte die Bankmitarbeiter wenig. Sie ließen sich bei der Vorbereitung der vermeintlichen Geldübergabe so viel Zeit, dass der Mann in einer Beratungskoje Platz nahm. Die Polizei nahm ihn fest und stellte den Löffel sicher.

Ein Stück weiter kam ein Mann in einem Vorort von Washington, D.C. Mit 20 000 ergaunerten Dollars war er drauf und dran, aus einer örtlichen Bank zu türmen. Wäre da nicht die Schwerkraft: Mangels passender Packtasche flogen ihm die Scheine aus dem Arm und verteilten sich quer im Raum. Zwar versuchte der Mann noch, sein Diebesgut in einem umgestülpten Regenschirm zu verstauen. Doch auf der Flucht rutschte er dann, auch das noch, auf einer Eisfläche aus - und wurde prompt festgenommen.

Hätte er sich mal ein schnittiges Fluchtfahrzeug organisiert! Am besten eins, das auch funktioniert. Nicht wie das jenes Mannes aus dem verwackelten Beweisvideo, das der britische Daily Mirror mal veröffentlichte. Er brachte sein Motorrad vor der Bank partout nicht zum Anspringen, ausgerechnet in dem Moment, als seine Komplizin mit der Beute aus der Bank rauschte und zu ihm auf den hinteren Sitz sprang. Wie Fred Feuerstein versuchte er noch, den Bankmitarbeitern mit ehrlicher Muskelkraft davonzurollen - kam aber nur ein paar Meter weit. Auf Bertolt Brecht hat er offenbar auch nicht gehört. Der Schriftsteller und Teilzeit-Marxist soll einst zu dem Schluss gekommen sein, dass Bankraub nur eine Initiative von Dilettanten sein kann: "Wahre Profis gründen eine Bank."

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