Süddeutsche Zeitung

Kalifornien:"Eine solche Tragödie ist unvorstellbar"

Bei einem der schlimmsten Unglücke auf See in Kalifornien seit Jahrzehnten sterben wohl 34 Taucher. Nur die Crew überlebt das Feuer auf einem Ausflugsboot. Das wirft zwei große Fragen auf.

Es klang traumhaft: Drei Tage sollte der Ausflug dauern, ein Bootstrip vor der Küste Kaliforniens. 665 Dollar kosteten die Tickets, Essen und Tauchgänge inklusive. 33 Gäste waren an Bord, dazu sechs Mann Besatzung. Doch aus dem Traum wurde ein Albtraum. Aus noch immer ungeklärter Ursache brach am Montagmorgen gegen drei Uhr ein Feuer an Bord des Schiffes aus. Fünf Besatzungsmitglieder konnten sich retten, und mittlerweile gehen die Behörden nicht mehr davon aus, weitere Überlebende zu finden. Es handelt sich um eines der schlimmsten Unglücke auf See in Kalifornien seit Jahrzehnten.

Die Passagiere schliefen unter Deck in Stockbetten. Der Weg nach oben führte über eine schmale Treppe. Offenbar war diese wegen des Feuers nicht passierbar. Die fünf Besatzungsmitglieder, die nicht unter Deck schliefen, konnten sich mit einem Schlauchboot retten. Sie paddelten zu einem in der Nähe ankernden Boot und machten durch Schläge an den Rumpf auf sich aufmerksam. Die Besitzer dieses Bootes nahmen die Überlebenden an Bord und versorgten sie mit trockener Kleidung. Einer der Männer hatte sich ein Bein gebrochen. Anschließend paddelten zwei Mitglieder der Crew zurück zu dem brennenden Boot und suchten nach Überlebenden. Sie fanden keine. Was sie hörten, waren regelmäßige Detonationen: Die Sauerstoffflaschen an Bord explodierten in der Hitze und gaben dem Feuer Nahrung. An der Küste wurde ein Notruf von dem Schiff empfangen. "Mayday! Mayday! Ich kann nicht atmen", schrie ein Mann.

Die Küstenwache hatte zunächst die Hoffnung, dass sich einige Gäste auf die nahegelegene Insel Santa Cruz hatten retten können. Als jedoch bis zum Montagabend immer noch keine Überlebenden gefunden werden konnten, sank diese Hoffnung auf Null. Eine Sprecherin der Küstenwache sagte: "Ich glaube, wir sollten uns auf den schlimmsten Ausgang vorbereiten."

20 Leichen wurden bisher geborgen. Das Schiff, die rund 25 Meter lange Conception, war im Verlauf des Montags im gut 20 Meter tiefen Wasser gesunken und zunächst zu instabil für die Taucher der Küstenwache. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sich 14 weitere Tote an Bord befinden. Bill Brown, Sheriff des Santa Barbara County, sagte: "Man kann sich keine schlimmere Situation ausmalen."

Konnte die Crew nichts tun, um den Passagieren zu helfen?

Die Conception gehört der Firma Truth Aquatics, die in Santa Barbara ansässig ist. Mehreren Medienberichten zufolge hat die Firma einen makellosen Ruf. Im Jahr 2005 ist die Conception von einem Obdachlosen entführt worden, der das Schiff auf Grund setzte. Anschließend wurde es für eine Million Dollar renoviert, weshalb es zu den modernsten der lokalen Flotte von Tauchbooten gehörte. Schiffe von der Größe der Conception müssen jährlich von der Küstenwache inspiziert werden, um ihre Lizenz zu erhalten. Nach Angaben der Küstenwache habe es an dem Schiff nichts zu beanstanden gegeben.

Im Raum stehen zwei große Fragen. Erstens: Was hat das Feuer ausgelöst? Zweitens: Konnte die Crew nichts tun, um den Passagieren zu helfen? Die kalifornische Senatorin Dianne Feinstein fordert eine Untersuchung. Sie sagte: "Wir müssen verstehen, wie die Crew ausgebildet war und warum sie nicht in der Lage war, die Passagiere zu retten. Eine solche Tragödie ist unvorstellbar."

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SZ vom 04.09.2019
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