Süddeutsche Zeitung

Prozess in München:Jérôme Boateng zu Geldstrafe verurteilt

Der Fußballer hat nach Überzeugung des Gerichts seine frühere Lebensgefährtin in einem Urlaub geschlagen. Die Strafe setzt das Gericht auf vergleichsweise milde 60 Tagessätze fest - wegen Boatengs hohem Gehalt summiert sie sich jedoch auf 1,8 Millionen Euro.

Der frühere Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng ist wegen vorsätzlicher Körperverletzung an seiner früheren Lebensgefährtin verurteilt worden. Das Amtsgericht München verhängte am Donnerstag eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen - eine vergleichsweise milde Strafe, die sich jedoch wegen Boatengs hohen Bezügen auf 1,8 Millionen Euro summiert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Staatsanwaltschaft hatte zusätzlich zu einer Geldstrafe von 1,5 Millionen Euro eine Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren gefordert. Boateng, so steht es in der Anklageschrift, soll die Frau geschlagen, geboxt, ihr in den Kopf gebissen, sie auf den Boden geschleudert und dabei heftig beleidigt haben. Außerdem soll er "in voller Wucht" eine Glaslaterne und eine Kühltasche auf sie geworfen haben.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Boateng seine frühere Lebensgefährtin Sherin S. während eines Karibikurlaubs im Juli 2018 angegriffen hat, ging allerdings lediglich von einem einzelnen Schlag aus.

Der Fußballer, der bis zum Ende der vergangenen Saison zehn Jahre beim FC Bayern unter Vertrag stand, bestritt in dem nur einen Tag dauernden Prozess sämtliche Vorwürfe und stellte die Ereignisse anders dar: Er habe seine frühere Partnerin nicht verletzt. Im Gegenteil sei Sherin S. aggressiv geworden, habe ihn in einem Streit an der Lippe verletzt und auf ihn eingeschlagen. Als er sie dann von sich habe wegschieben wollen, sei sie gestürzt.

Der Urlaub sei sehr schön und friedlich verlaufen, bis es an jenem Abend zu einem Streit gekommen sei, so Boateng vor Gericht. Nachdem seine Ex-Partnerin und eine weitere Freundin ihm dann vorgeworfen hätten, beim Kartenspielen gemogelt zu haben, sei die Stimmung eskaliert. Er und seine damalige Partnerin hätten dann - wie oft zuvor - um die Frage gestritten, wie sie ihr Leben organisieren sollen. Boateng habe in jenem Sommer vom FC Bayern nach Paris wechseln wollen. Außerdem sei es um Treue in der Beziehung gegangen. Am nächsten Tag aber hätten die beiden sich schon wieder vertragen und seien "bester Laune" gewesen.

Ein Sachverständiger hatte in der Verhandlung die Schilderung von Sherin S. gestützt. "Die Befunde, die hier dokumentiert wurden, lassen sich weitgehend übereinstimmend mit der Hergangsschilderung der Nebenklägerin in Einklang bringen", sagte der Mediziner. Das blaue Auge, das S. an jenem Abend davongetragen hatte, sei mit Boatengs Schilderung wiederum nicht in Einklang zu bringen.

Sherin S. beschrieb die Beziehung mit Boateng vor Gericht als "immer turbulent" und "sehr toxisch". Übergriffe wie der im Karibikurlaub seien "fast schon an der Tagesordnung" gewesen. Sie habe dennoch stets den Moment verpasst, sich zu trennen, vor allem wegen der gemeinsamen Kinder. Erst zwei Monate nach dem Vorfall im Urlaub sei sie dazu bereit gewesen.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5405347
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ/dpa/moge/saul/olkl
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.