Süddeutsche Zeitung

Ende des Epstein-Prozesses: Prinz Andrew "weiß, was er getan hat"

  • Nach dem Tod des Multimillionärs Jeffrey Epstein ist das Verfahren gegen ihn eingestellt worden.
  • Zum Abschluss wurden die mutmaßlichen Opfer im Gericht angehört. Diese verlangten, dass auch andere in den Skandal verwickelte Personen zur Verantwortung gezogen werden sollten.
  • Epstein soll der Anklage zufolge einen Missbrauchsring aufgebaut und Dutzende Minderjährige sexuell missbraucht haben.

Jeffrey Epstein ist tot, er hat sich in seiner Zelle das Leben genommen. Das Verfahren gegen ihn wird daher eingestellt. Doch am Dienstag bekamen die mutmaßlichen Opfer des Sexualstraftäters Gelegenheit, ihrem Ärger und ihrer Trauer vor Gericht Ausdruck zu verleihen. Die Anhörung in New York war eigentlich nur zur formalen Einstellung der Anklage gedacht, doch Richter Richard Berman lud auch mutmaßliche Opfer ein, ihre Geschichten und Gefühle zu teilen.

Für die Frauen geht es dabei nicht nur um die Aufklärung rund um die Person Jeffrey Epstein, sondern auch andere in den Skandal verwickelte Personen wie Ghislaine Maxwell sollen zur Verantwortung gezogen werden. "Es geht nicht darum, wie Jeffrey gestorben ist, sondern darum, wie er gelebt hat. Wir müssen uns jeden, der involviert war, genau anschauen," sagte Virginia Giuffre, eines der der Öffentlichkeit bekannteren mutmaßlichen Opfern.

Sie war es gewesen, die den Namen des britischen Prinzen Andrew mit der Affäre Epstein in Zusammenhang brachte: Sie sei zum Sex mit ihm gezwungen worden, das sagte sie schon 2011. "Er weiß, was er getan hat", so Giuffre am Dienstag, "ich hoffe er macht reinen Tisch."

Prinz Andrew kannte Epstein seit 1999

Prinz Andrew verneint diese Darstellung der Geschehnisse, in einer vom Buckingham-Palast veröffentlichten Erklärung heißt es: "Ich habe Mr. Epstein 1999 kennengelernt. Während der Zeit, als ich mit ihm bekannt war, sah ich ihn unregelmäßig und wahrscheinlich nicht mehr als ein- oder zweimal im Jahr. Ich war in einer Reihe seiner Anwesen zu Gast." Von dem angeblichen Missbrauch habe er nichts mitbekommen.

Für die mutmaßlichen Opfer von Epstein ist das Verfahrensende frustrierend. Eine der Frauen sagte dem Nachrichtensender NBC zufolge vor Gericht, Epsteins Suizid habe ihr die Chance "geraubt", ihn "von Angesicht zu Angesicht" im Gerichtssaal zu konfrontieren. Dass er sich getötet habe, mache ihn zu einem "Feigling". "Er konnte nicht verstehen, was er uns genommen hat", sagte eine andere Betroffene. "So wie ich jedes Mädchen bin, dem er das angetan hat, sind diese ich. Heute stehen wir zusammen."

Eine dritte Frau las einen Brief vor, den sie an Epstein geschrieben hatte: "Ich werde nie in der Lage sein, die überwältigenden Gefühle und die Scham dieses Dramas zu überwinden." Insgesamt wurden vor dem New Yorker Gericht Beiträge von etwa 30 mutmaßlichen Opfern erwartet. Epstein hatte sich Anfang August in einem Gefängnis in Manhattan das Leben genommen, nachdem er erneut wegen Missbrauchsvorwürfen vor Gericht gebracht werden sollte.

Der bestens vernetzte Geschäftsmann wurde beschuldigt, Dutzende Minderjährige sexuell missbraucht zu haben. Laut Anklageschrift hatte der Multimillionär zwischen 2002 und 2005 in New York und Florida einen Missbrauchsring aufgebaut. Die Staatsanwälte betonten laut NBC, dass trotz der Einstellung der Anklage gegen den Toten weiter gegen Beteiligte an den ihm vorgeworfenen Verbrechen ermittelt wird. Medienberichten zufolge dürften sich die Untersuchungen vor allem auf die langjährige Partnerin von Epstein, Ghislaine Maxwell, konzentrieren.

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