Süddeutsche Zeitung

Vor Gericht:Gigantisches Drogenlabor in Ostwestfalen

Die Szenerie erinnert an "Breaking Bad": Ermittler finden bei einem Brand ein Drogenlabor in einer Lagerhalle. Jetzt müssen sich die mutmaßlichen Betreiber vor Gericht verantworten.

Es fing an mit einem Feuer in einer Lagerhalle. Was die Ermittler von der Kriminalpolizei in Ostwestfalen dann entdeckten, hatten sie noch nie gesehen: Tonnen von Chemikalien, ein Brunnen für die Kühlung mit 5000 Litern Wasser pro Stunde, Labormaterial, Schlafgelegenheiten für die Drogenköche. So zumindest beschreibt die Staatsanwaltschaft beim Prozessauftakt am Montag in Bielefeld die Szenerie, die an den US-Serienhit "Breaking Bad" erinnert. Vor Gericht müssen sich nun unter anderem ein Tischler und ein Landwirt aus der Nachbarschaft verantworten.

Nach dem Kabelbrand in der Lagerhalle in Preußisch Oldendorf nördlich von Bielefeld waren die Ermittler im April 2019 zufällig auf das Drogenlabor von industriellem Ausmaße gestoßen. In der 660 Quadratmeter großen Lagerhalle sollen Grundstoffe für synthetische Drogen wie Speed hergestellt worden sein. Insgesamt sind fünf Männer angeklagt; ein 31-Jähriger aus Rödinghausen, ein 39-Jähriger aus Preußisch Oldendorf sowie drei Männer aus den Niederlanden zwischen 37 und 59 Jahren.

Am Montag blieben allerdings zwei der fünf Plätze im Landgericht Bielefeld frei. Einer der drei angeklagten Niederländer sitzt nach Angaben des Gerichts noch bis Juli 2021 wegen Drogendelikten in seinem Heimatland in Haft, er wurde nicht ausgeliefert. Der zweite Mann blieb dem Verhandlungsbeginn unentschuldigt fern. Nach der Verlesung der Anklage kündigten die drei verbliebenen Männer an, sich nicht zu den Vorwürfen äußern zu wollen. Angaben zur Person und zum Lebenslauf wollen sie zu einem späteren Zeitpunkt machen.

Der leitende Ermittler der Bielefelder Polizei schilderte als erster Zeuge die komplexe Untersuchung. "Für uns war das Thema neu, ein solches Labor haben wir hier noch nie gesehen. Wir haben dann sofort Bundes- und Landeskriminalamt eingeschaltet", sagte der Zeuge. In der Halle habe sein Team 18 Tanks mit Chemikalien gefunden, dazu acht große Edelstahlkessel, einen spärlich ausgestatteten Aufenthaltsraum mit acht Matratzen und schließlich sechs große Destillatoren. "Dort gab es die große Qualmentwicklung", so der Polizist. Ein selbst gebohrter Brunnen sollte für Kühlwasser sorgen. Die Spurensuche habe zehn Tage gedauert. "Das war sehr aufwendig."

Bei der Rückverfolgung der gekauften Chemikalien führten Spuren in die Niederlande. Als Mieter der Lagerhalle stellte sich ein Tischler heraus, der auch eine benachbarte Halle betrieb. "Seine Aussagen wirkten schnell fragwürdig. Im weiteren Verlauf gab es immer mehr Widersprüche", sagte der Polizist. Die beiden angeklagten Deutschen sind der Tischler und ein Landwirt. Bis Mai sind neun weitere Prozesstermine angesetzt. Das Verfahren gegen den in den Niederlanden in Haft sitzenden Mann wird abgetrennt.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5243161
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ/dpa/afis/nas
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.