Süddeutsche Zeitung

SZ-Kolumne "Bester Dinge":Quak statt Quark

Laubfrosch-Weibchen haben eine faszinierende Fähigkeit: Sie hören nur diejenigen Männchen, die wichtig für sie sind. Auf die Lautstärke kommt es dabei nicht an. Eine Technik mit Perspektive.

Von Mareen Linnartz

Frösche können laut sein, sehr laut. Quak-Konzerte mit bis zu 90 Dezibel kommen schon mal vor, das entspricht etwa einer Kreissäge und lässt manche die Nerven verlieren. Frank H. aus Krefeld wurde vor ein paar Jahren der Prozess gemacht, weil er nachts mit seinem Gewehr auf den Gartenteich seines Nachbarn zielte, erschöpft von dem seiner Meinung nach infernalischen Lärm. Zwei Frösche erwischte er, "Knötti", Kopfschuss, war sofort tot, ein anderer verlor zum Glück nur sein Hinterbein. Der Tod von "Knötti", vermerkte die Prozessberichterstattung noch, sei als besonders tragisch einzustufen, er konnte ja gar nicht richtig quaken, "vermutlich ein Gen-Defekt".

Unerwähnt blieb damals allerdings ein nicht ganz unwesentliches Detail: Vor allem ein Teil der Teich-Belegschaft war für den Krach verantwortlich - die Männchen, die mit ihrem Gequake die Aufmerksamkeit der stilleren Froschfrauen auf sich ziehen wollten.

Ein Gebaren, das man mitunter auch von menschlichen Zusammenkünften kennt. Für solche Situationen haben die Weibchen des amerikanischen Laubfroschs eine erstaunliche Lösung gefunden: Sie holen einmal tief Luft, pumpen ihre Lungen voll, steuern damit die Empfindlichkeit ihres Trommelfells und hören so im Getümmel nur noch die Männer, auf die es ankommt - die der eigenen Art, fortpflanzungstechnisch also sehr schlau. Was da genau vor sich geht: sehr kompliziert, amerikanische Wissenschaftler haben gerade dazu eine Studie veröffentlicht.

Bemerkenswert ist sowieso eine andere Erkenntnis: Entscheidend ist nicht, wie lautstark jemand etwas von sich gibt, sondern wie sinnvoll das ist. Und das sollte nicht nur für den Gartenteich gelten.

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