Süddeutsche Zeitung

Waldbrandgefahr:So werden Waldbrände aus der Luft abgewehrt

Pilot Christian Herzog und Beobachter Georg Doll heben ab, um Brände möglichst früh zu erkennen. Unterwegs mit der Luftrettungsstaffel von Königsdorf.

Weißer Qualm steigt von einer Wiese mitten in einem Waldstück hinter Mooseurach auf. Die Robin DR400, ein Leichtbauflugzeug der Luftrettungsstaffel, die gerade noch in ruhigem Flug ihre Erkundungsrunde begann, neigt sich tief zur Seite und hält auf die Rauchsäule zu. Ist es ein Waldbrand? Pilot Christian Herzog lenkt die Maschine in weiten Kreisen um das Feuer, Georg Doll auf dem Nachbarsitz funkt mit der Einsatzzentrale.

Der Luftbeobachter meldet die entdeckte Brandstelle und klärt das weitere Vorgehen. Nach wenigen Minuten kann er Entwarnung geben: Das Feuer ist angemeldet, ein beaufsichtigtes Räumfeuer. Die Propellermaschine nimmt wieder Kurs auf die vorgesehene Route.

Die Waldbrandgefahr ist hoch derzeit, die Hitze hat die Böden ausgetrocknet. Darum schickt die Regierung von Oberbayern Beobachter in die Luft, die Feuer möglichst früh erkennen sollen. Herzog startet seit vier Jahren von Königsdorf aus. Er überprüft von Zeit zu Zeit mit einem Blick auf sein Tablet den aktuellen Standort und die Flugrichtung. Neben ihm gibt es noch neun weitere Piloten, die ihre Dienste bei der Luftrettungsstaffel ehrenamtlich leisten. Wenn sie zu Erkundungsflügen aufbrechen, sind sie stets in Begleitung von mindestens einem amtlichen Luftbeobachter, wie Georg Doll einer ist.

Auf 600 Metern Höhe gleitet das 180 PS starke Flugzeug am östlichen Rand des Starnberger Sees entlang. Die Überwachungsflieger des Königsdorfer Stützpunkts starten stets gegen 15 Uhr zu ihren Erkundungen. Die "Route D" führt in Schleifen an den Osterseen südlich des Starnberger Sees vorbei, westlich des Ammersees entlang Richtung Gauting, über den südlichen Landkreis München, zum Ebersberger Forst, an den Schliersee, über das Tegernseer Tal, weiter an der Isar und über Bad Tölz wieder zurück zum Segelflugplatz Königsdorf.

Der Motor wummert monoton, außerhalb der Kunststoffhaube türmen sich tief hängende Gewitterwolken zu bizarren Gebilden. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 160 Stundenkilometern zieht die Robin ihre Bahnen, Herzog hält sie trotz eines kurzen Schauers stabil auf Kurs. Durch die Hitze hätte es ruckelig werden können. Doch die Maschine sackt nur einmal in einem Luftloch ab, sonst bleibt der Flug ruhig.

Überblick aus der Luft

Augen für das Alpenpanorama, das sich trotz des diesigen Wetters plastisch hervorhebt, haben die beiden Männer allerdings nicht. Sie blicken aufmerksam mal links, mal rechts aus dem Cockpit und prüfen die umliegenden Wälder. Sie achten auf Rauchentwicklungen, die einen entstehenden Brand ankündigen. Handelt es sich bei den gesichteten Feuern nicht, wie zu Beginn des Fluges, um kontrollierte oder angemeldete Brände, melden Doll und Herzog den Standort und helfen den anrückenden Feuerwehren aus der Luft, indem sie einen Überblick über die Situation geben.

Der Deutsche Wetterdienst ordnet die Waldbrandgefahr im überflogenen Gebiet aktuell auf Stufe vier von fünf ein. Die Gefahr entsteht durch die anhaltende Hitze, die auch der Grund dafür ist, dass die Regierung von Oberbayern die Beobachtungsflüge am Dienstag angeordnet hat. Auch am Freitag sollte noch eine Maschine starten. Danach würde je nach Wetterlage entschieden, ob die Beobachtungsflüge fortgesetzt werden, sagt Thomas Pohn, Stützpunktleiter in Königsdorf.

Die Piloten fliegen ehrenamtlich

Er sieht die Einsätze der Flieger als "super Möglichkeit mit einfachen, kostengünstigen Mitteln das gesamte Gebiet zu überwachen". Denn wenn die viersitzige Maschine abhebt, betragen die Gesamtkosten 180 Euro in der Stunde. Bei einem Segelflieger sind es sogar nur 90 Euro. Würden die von den Flugclubs privat organisierten Luftrettungsstaffeln die Piloten und Maschinen nicht zu diesen Preisen stellen, müsste ein Polizeihubschrauber an ihrer Stelle die Überwachung übernehmen, wie Alexander Bauer vom Landratsamt erklärt - und das würde die Kosten der Regierung von Oberbayern mehr als verzehnfachen. Deswegen sind es auch die Mitglieder der Luftrettungsstaffeln, die nach Stürmen oder bei Hochwasser zu Aufklärungsflügen abheben, damit die Schäden dokumentiert werden können.

Das übernehmen die Luftbeobachter wie Georg Doll, der Feuerwehrmann in Bichl ist und einen einwöchigen Lehrgang an der Feuerwehrschule in Würzburg absolviert hat. Aktuell gibt es am Stützpunkt in Königsdorf fünf Luftbeobachter, weitere vier befinden sich in Ausbildung. "Es ist gar nicht so einfach, jemanden zu finden", sagt Alexander Bauer vom Brand- und Katastrophenschutz des Landratsamts.

Nach eineinhalb Stunden setzt Christian Herzog zur Landung an. Er und Luftbeobachter Doll haben auf den rund 200 Kilometern keine weiteren Brände entdeckt. Der Pilot ist hauptberuflich Immobilienmakler und fliegt, "weil es Spaß macht" und sein Hobby durch die Beobachtungen "auch noch einen Sinn erhält". Die Männer des Stützpunktes Königsdorf hätten bisher "keinen richtig großen Waldbrand entdeckt", sagt Bauer schmunzelnd, "aber das ist nun wirklich nichts Negatives".

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Quelle:
SZ vom 23.06.2017/vewo
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