Süddeutsche Zeitung

Gastronomie in Eurasburg:Erdrückt von der Bürokratie

Das weithin bekannte Ausflugslokal Landgasthof Berg bei Eurasburg schließt zum 1. März. Ob und wie es dort weitergeht, ist offen

Steigende bürokratische Auflagen in der Gastronomie und die schwierige Personalsuche haben Hans Fischhaber junior frustriert. "Irgendwann magst nimmer", sagt der 48-jährige Wirt des Landgasthofs im Eurasburger Ortsteil Berg, den er jetzt umstrukturieren will. Für eine Ruhepause schließt er das in der Region bekannte Ausflugslokal zum 1. März. Zu Ostern soll es nur noch auf "kleinerer Flamme", weitergehen, berichtet Fischhaber auf Nachfrage der SZ. "Es wird auf einen Kaffeebetrieb rauslaufen." Abends soll nicht mehr so lange geöffnet sein. Indessen wird sich bei der Zimmervermietung nichts ändern.

Details zum künftigen Gastbetrieb sind noch offen. Fischhaber überlegt etwa, ob er den Gasthof womöglich nur noch am Wochenende aufsperrt. Doch Genaues stehe derzeit noch nicht fest, sagt der Eurasburger.

Der Landgasthof Berg liegt auf einem Höhenrücken zwischen Münsing und Eurasburg. Doch die idyllische Alleinlage samt Fernsicht zur Alpenkette in dem kleinen Weiler mit wenigen Häusern erschwert die Personalsuche. Wie Fischhaber schildert, gibt es keine öffentlichen Verkehrsverbindungen nach Berg. Mitarbeiter des Ausflugslokals seien deshalb auf ein eigenes Auto angewiesen, um zur Arbeitsstätte kommen zu können. "Man kriegt keine Leute vor Ort", klagt Fischhaber. Zudem machten es ihm die gesetzlichen Vorschriften zur Arbeitszeiterfassung schwer, Aushilfen einzustellen.

Von der aus seiner Sicht überbordenden Bürokratie fühlt sich Fischhaber überfordert. Der Verwaltungsaufwand sei immens gestiegen. "Eigentlich sitzt man nur noch im Büro", beschreibt der gelernte Koch seine Situation. Für die Küche habe er praktisch kaum noch Zeit. Verärgert ist Fischhaber etwa auch über die unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze. Dass ein Partyservice nur sieben Prozent zahle, er aber für seine Gastronomie 19 Prozent aufschlagen müsse, kann er nicht nachvollziehen.

Die Familie hatte das leer stehende Gastgebäude Ende der 1980er-Jahre gekauft und aufwendig renoviert. Seit 1994 betreibt Fischhaber die Gastwirtschaft mit einer kurzen Unterbrechung. Für fünf Jahre war die Gastronomie verpachtet. Über die Jahrzehnte hinweg hat sich für ihn die Gesamtsituation verschlechtert. Die Geschäfte liefen sehr unterschiedlich. Während das Wirtshaus an schönen Wochenenden im Sommer geradezu von Gästen überrannt werde, sei mitten unter der Woche manchmal gar nichts los. Insbesondere das Rauchverbot sei für die Wirtshauskultur ganz schädlich gewesen. Seitdem seien die Stammtische leer. Das Publikum werde immer älter. "Die Gesellschaft wird auseinandergerissen", sagt Fischhaber.

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Quelle:
SZ vom 29.01.2020
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