Süddeutsche Zeitung

Energieversorgung in Wolfratshausen:Kritik an Kraftwerksplänen

Der Bund Naturschutz will genauer wissen, wie sich die Stromerzeugung am Loisach-Isar-Kanal auf die Natur und den Lebensraum der Fische auswirkt.

Die Kreisgruppe des Bunds Naturschutz (BN) kritisiert die Projektentwickler des Wasserkraftwerks, das am Loisach-Isar-Kanal gebaut werden soll. In einer Pressemitteilung bemängelt der BN Defizite in den Planunterlagen und eine "sehr ungenaue Darstellung der Auswirkungen auf die Schutzgebiete und den Naturraum als Ganzes". Für das Kraftwerk, das die Energieunternehmen Bayernwerk Natur und Stadtwerke Bad Tölz am bestehenden Wehr zwischen Farchet und Waldram errichten wollen, läuft derzeit ein aufwendiges Genehmigungsverfahren, in dem auch der BN eine Stellungnahme abgegeben hat.

Die Planer hätten "keine klaren Angaben und Prognosen der erwarteten Stromproduktion" gemacht, monieren der Regionalreferent Kurt Schmid und der Vorsitzende der BN-Kreisgruppe, Friedl Krönauer, beide Unterzeichner der Mitteilung. Der "vom baulichen Aufwand und in seinen ökologischen Auswirkungen nicht unerhebliche Eingriff" ließe sich jedoch nur durch eine auf seriösen Rechnungen basierende Energieausbeute legitimieren. Beim Bau des Kraftwerks mit Tieferlegung der Unterwasserkanalsohle könne nicht nur mit Sicherheit von Beeinträchtigungen des FFH-Gebiets Isar und des Naturschutzgebiets ausgegangen werden, etwa durch den Eintrag von Schwebstoffen. Es sei auch davon auszugehen, dass "in Zukunft immer wieder entsprechende Nachbesserungen erforderlich sein werden", um die Energieausbeute zu erhalten oder zu maximieren. So seien Beeinträchtigungen der Schutzziele des FFH-Gebietes zu befürchten, etwa in Hinblick auf die Fischarten Huchen und Mühlkoppe. Der BN zweifelt auch das von den Planern vorgelegte fischökologische Gutachten an: Weder erweitere der Unterwasserkanal den Lebensraum der Fische, noch könne auf eine Fischaufstiegsanlage verzichtet werden.

Wichtige Folgewirkungen würden "vielfach nur äußerst ungenau dargestellt und häufig nur sehr allgemein und verharmlosend abgehandelt", urteilen Schmid und Krönauer. Zudem fehlten detaillierte Angaben zur Geländeerhöhung durch den Aushub von 4800 Kubikmetern, ebenso wie zu den geplanten Zufahrten oder zur Verlegung des Fuß- und Radwegs. Auf Beeinträchtigungen der Anwohner während der Bauzeit werde "ebenfalls nicht näher eingegangen". Die Untersuchungen der Auswirkungen auf die Fauna seien defizitär, sie müssten auf Biber und Flusskrebse ausgeweitet werden.

"Im Augenblick müssen noch einige Fragen beantwortet werden", erklärt Cornelia Breiter, die im Landratsamt für die wasserrechtliche Genehmigung zuständig ist. So habe etwa die höhere Naturschutzbehörde der Regierung von Oberbayern für ihre Stellungnahme gewässer- und fischökologische Fragen an den Vorhabensträger gerichtet. Die Wasserkraft Farchet GmbH, zu der die beiden Energieunternehmen gehören, habe "zeitnahe Antworten" zugesagt. Zwar sei man im Verfahren schon recht weit, sagt Breiter. Auswirkungen auf Gewässer und Fische sowie die Verträglichkeit im FFH-Gebiet müssten jedoch "akribisch geprüft" werden. Das Landratsamt gehe davon aus, dass eine Genehmigung noch in diesem Jahr erteilt werden könne.

Die künftigen Betreiber hatten im Frühling 2016 noch eine mögliche Inbetriebnahme des Wasserkraftwerks in diesem Jahr angekündigt. Davon ist man nun abgerückt, wie Bayernwerk-Projektleiter Peter Basche erklärt. "Wir hoffen, dass wir das Thema wasserrechtliche Genehmigung bis Mitte des Jahres abschließen können", sagt Basche auf Anfrage. Ans Netz könne das Wasserkraftwerk wohl erst Ende 2018, eher 2019 gehen.

Basche weist darauf hin, dass das Genehmigungsverfahren, an dem zahlreiche Behörden und Träger öffentlicher Belange beteiligt sind, schon länger als 20 Monate dauert. "Wir haben das Gefühl, dass es eine sehr, sehr sorgfältige Abwägung der Genehmigungsbehörden gibt." Auf die Kritikpunkte des BN will Basche nicht eingehen. Um dem Verfahren nicht vorzugreifen, wolle er sich nicht zu Details über Einzelmeinungen äußern. Die Behörden müssten nun entscheiden, was möglich sei und was nicht. "Sie werden uns eine Auflage geben, und an die werden wir uns halten." Letztendlich gehe es um eine Abwägung zwischen ökologischen Eingriffen und ökologischer, Co₂-freier Energieerzeugung. Dass die angestrebte Energieausbeute in den Planunterlagen fehle, liege daran, dass sie für die wasserrechtliche Genehmigung keine Rolle spiele, erklärt Basche. Sie lasse sich aber aus Fallhöhe und Wassermenge berechnen. "Wir gehen nach wie vor von rund sechs Millionen Kilowattstunden pro Jahr aus, einer Energie für etwa 2000 Haushalte", sagt der Projektleiter. An diesem Punkt lässt auch Breiter keinen Zweifel: "Es steht fest, dass bei einem Wasserkraftwerk in dieser Größenordnung das öffentliche Interesse gegeben ist."

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SZ vom 12.04.2017
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