Süddeutsche Zeitung

SZenario:Guglhupf mit Spaghetti

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Bei der Premiere des neuen Eberhofer-Krimis erfahren die Gäste, warum Fanliebling Flötzinger mit einer Prollschüssel durch die Gegend rast - und warum Laiendarsteller gefährlich leben.

Von Josef Grübl, München

Fünf zu drei steht es jetzt. Zumindest, was das herzhaft-süße Verhältnis der Eberhofer-Filme betrifft. Zu den herzhaften zählen "Leberkäsjunkie", "Sauerkrautkoma" oder "Schweinskopf al dente", zu den süßen "Dampfnudelblues" oder "Kaiserschmarrndrama". So etwas darf aus kulinarischer und kriminalistischer Sicht nicht unterschätzt werden, kommen doch dem Genussgendarm Eberhofer (Sebastian Bezzel) und seinem stets mit der Gesamtsituation unzufriedenen Buddy Birkenberger (Simon Schwarz) die besten Ideen an Omas Küchentisch. Jetzt steht ihr achter (und der dritte süße) Einsatz an: "Guglhupfgeschwader" läuft nächste Woche in den deutschen Kinos an, die Fans warten schon sehnsüchtig, die krisengeplagten Kinobetreiber auch. Bei der Weltpremiere am Donnerstagabend im Mathäser bringen sich die Stars der bayerischen Kinofilmreihe schon einmal in Stellung: Sebastian Bezzel etwa saust von Saal zu Saal, um seine Fans zu begrüßen. Der Constantin Filmverleih hat groß eingeladen, das süße Filmschmankerl wird in drei Kinosälen gleichzeitig gezeigt.

Zwei zu acht macht in etwa das Maskenverhältnis im größten Saal aus, an das depperte Virus und die grassierende Sommerwelle mögen offenbar nur noch wenige denken. An die nahende Wiesn schon eher: Einige Gäste und Ministerinnen haben sich kostümiert, tragen Lederhosen, Dirndl oder skurrile Landhauskreationen. Zum Film passt das nicht wirklich, der Regisseur Ed Herzog erteilte der Trachtenfolklore im SZ-Interview schon vor Jahren eine Absage: "In Niederbayern sind die Leute geradliniger, die laufen im Alltag nicht in Tracht herum." Den Eberhofer wird man also nie in der Krachledernen sehen, seine Dauerfreundin Susi in keinem Designerinnen-Dirndl. Aber egal, man feiert ja hier in München, außerdem ist so eine Eberhofer-Premiere eine Art Feiertag. Deshalb sind auch prominente Zaungäste da, Wolke Hegenbarth, Peter Lohmeyer oder Paul Breitner etwa. Letzterer macht dem Eberhofer Franz alias Sebastian Bezzel seine Aufwartung. Von FC-Bayern-Legende zu Niederbayern-Idol sozusagen.

Eins zu 140 Millionen beträgt die Erfolgsaussicht auf einen Sechser im Lotto. Eher gering also, trotzdem ist die Eberhofer-Familie in "Guglhupfgeschwader" im Lottofieber. Die Oma (Enzi Fuchs) will den Jackpot knacken, Bruder Leopold (Gerhard Wittmann) sucht nach seinem Tippschein, während sich Fanliebling Flötzinger (Daniel Christensen) schon als Millionär wähnt und mit tiefergelegter Prollschüssel durchs fiktive Niederkaltenkirchen flitzt. Da applaudiert das Premierenpublikum im Kinosaal, auch die Szene von Franz' und Susis Paartherapie sorgt für viel Heiterkeit. Zwischendurch komödienstadelt es etwas, dafür gibt es im Showdown eine Schießerei in bester Spaghettiwestern-Manier - was ja auch wieder irgendwie kulinarisch ist. Eine solche Mischung muss man erstmal hinbekommen, die Eberhofer-Filme sind eben Crowdpleaser, also Filme für alle Zielgruppen und jedes Alter.

Neun zu eins war ihre Chance. Und die hat sie genutzt. Die Laiendarstellerin Tina Bayerl aus Zwiesel erzählt nach der Premiere von den Dreharbeiten und wie sie sich in der vierten Casting-Runde gegen acht Mitbewerberinnen durchsetzte. Auf der Leinwand wird sie leider recht bald zur Leiche, ein Eberhofer-Comeback scheint für sie also ausgeschlossen. Für die anderen geht es dagegen bald weiter: Im Herbst starten die Dreharbeiten zu Film Nummer neun, als Vorlage dient Rita Falks Bestseller "Rehragout-Rendezvous". Simon Schwarz steht natürlich wieder auf der Besetzungsliste, bei der Premierenfeier im "Herrschaftszeiten" im Tal bleibt der Wiener Schauspieler lieber vor der Tür. Dort trifft er auf seinen Filmkumpel Bezzel, der gleich mit zwei Halbe-Gläsern unterwegs ist. Die Susi-Darstellerin Lisa Maria Potthoff bevorzugt dagegen Aperol Spritz. So bleibt in der Eberhofer-Filmfamilie eben auch das Getränkeverhältnis herzhaft-süß.

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