Süddeutsche Zeitung

Wirtschaft:Neue Ausbildung in Sachen Modedesign

Die Bergerin Alexa Dehmel und der Tutzinger Gerd Bittl-Fröhlich haben eine private Akademie gegründet, um Nachwuchs für die Textilbranche auszubilden.

Wie ist die Kapuze einer Sportjacke aufgebaut, was ist ein Dreilagenstoff und wie lässt sich hochwertige Funktionskleidung nachhaltig herstellen? Fragen, auf die sich Alexa Dehmel aus Berg in vielen Jahren als Modedesignerin mühsam Antworten suchen musste. "Es gibt dafür keine ordentliche Ausbildung", beklagt die 52-Jährige. Und das, obwohl die Bekleidungs- und Textilbranche im Bereich der funktionellen Bekleidung stetig wächst. Zusammen mit Gerd Bittl-Fröhlich aus Tutzing, der 2000 das Münchner Sportfachhandel-Unternehmen seiner Familie verließ, hat Dehmel eine private Akademie für funktionelles Design in Grünwald gegründet. Im März soll der erste Jahrgang starten.

Die Räume auf dem Bavaria-Filmgelände in Geiselgasteig sind eingerichtet, die Computer stehen mit den neuesten Design-, Schnitt- und Materialprogrammen ausgestattet bereit. Eine Werkstatt für die Fertigung fehlt noch, für die ersten zwei Jahre kann die Akademie das Developmentcenter der Firma "Black Yak" in München nutzen. In der Ausbildung durchlaufen die Studenten drei Kollektionsabläufe, wofür sie jeweils von Herstellerfirmen gezielte Aufgaben bewerkstelligen müssen. Parallel werden sie von 15 Branchenexperten unterrichtet, darunter der ehemalige "Hugo Boss"-Designer Terence Senford und "Acronym"-Gründer Errolson Hugh. Außerdem absolvieren sie ein dreimonatiges Praktikum. "Die Anforderungen sind hoch", sagt Dehmel. Bewerber müssen deshalb ein abgeschlossenes Studium oder eine Ausbildung vorweisen und einen Zulassungsworkshop absolvieren.

In zwei Jahren sollen sich die ersten 20 Teilnehmer "Certified Design & Development Expert for Functional Clothing" nennen dürfen, der zweite Jahrgang soll bereits bis zu 60 Studenten umfassen. Für beide Studiengänge haben sich bislang elf Studenten angemeldet, mitunter aus Kalifornien und Italien. Die Kosten für die Ausbildung, die komplett in Englisch abgehalten wird, liegen für den ersten Jahrgang bei 15 000 Euro. Der zweite zahlt bereits 30 000 Euro und kann die Ausbildung auch berufsbegleitend in drei Jahren absolvieren. Die Vollversion mit E-Learning-Option soll es dann von 2021 an für 50 000 Euro geben. Ein Förderverein und eine Stiftung sind in Planung, auch eine Finanzierung über einen umgekehrten Generationenvertrag sei möglich.

Der 54-jährige Bittl-Fröhlich freut sich, der Textilindustrie schon bald neue Designer, Entwickler und Produktmanager liefern zu können. Er erzählt frustriert von einem Produktionsmarkt, der sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr nach Asien verlagert habe. "Alle Labels waren abhängig davon, was ihnen dort angeboten wurde", erzählt er. "Weil den Herstellern das nötige Wissen fehlte, konnten sie auch keine klaren Anweisungen geben, welche Schnitte, Reißverschlüsse oder Funktionsstoffe sie wollen".

Er betreut den kaufmännischen Bereich der Akademie, Alexa Dehmel verantwortet die Inhalte. Zehn Jahre lang hat die gebürtige Freiburgerin nach einem Volontariat zur Kostümbildnerin an der Bayerischen Staatsoper und einem Modedesignstudium in Paris als selbständige Designerin für namhafte Textilhersteller wie Völkl, Puma oder Vaude gearbeitet. "Das perfekte Kleidungsstück ist mit Liebe gemacht und drückt das auch aus", sagt sie. Auch wenn ihr Steckenpferd die Sportkleidung ist, können die Studenten ihr Hauptaugenmerk an der Bartenstein-Akademie, die Dehmel nach ihrer Großmutter benannt hat, auch auf Alltags- und Arbeitskleidung richten. "Wenn es gut läuft, erarbeiten die Teilnehmer ihre letzte Kollektion bereits für ihren späteren Arbeitgeber", sagt sie. Von Sonntag an werden Dehmel und Bittl-Fröhlich ihre Akademie auf der Internationalen Sportmesse (ISPO) in München präsentieren.

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SZ vom 25.01.2020
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