Süddeutsche Zeitung

Sprengung von Geldautomaten:Anklage gegen Bande erhoben

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Die verdächtigen Männer sollen im November 2022 auch in Weßling zugeschlagen haben.

Von Christian Deussing, Weßling

Ein ohrenbetäubender Knall hat Anwohner der Hauptstraße in Weßling in der Nacht zum 9. November vergangenen Jahres aus dem Schlaf gerissen. Unbekannte hatten gegen 2.45 Uhr einen Geldautomaten der Kreissparkasse in der Ortsmitte unweit des Bahnhofs gesprengt. Dabei wurde auch der freistehende Metall-Container massiv demoliert.

Die maskierten Täter entkamen mit ihrer Beute, bei dem es sich vermutlich um einen fünfstelligen Betrag handelte. Der Schaden belief sich laut Landeskriminalamt (LKA) auf rund 80 000 Euro. Der Weßlinger Fall gehört zu einer Serie gesprengter Geldautomaten in Bayern. Inzwischen wurden 16 Tatverdächtige gefasst, die überwiegend aus den Niederlanden und aus Belgien stammen. Auch die Tat in Weßling soll den Ermittlungen zufolge auf das Konto der professionell agierenden Bande gehen.

Gegen zwölf der verhafteten Männer im Alter zwischen 23 und 42 Jahren hat die federführende Staatsanwaltschaft Bamberg inzwischen Anklage wegen schweren Bandendiebstahls in 27 Fällen erhoben. Die Täter sollen bundesweit - vor allem in Bayern und Baden-Württemberg - zugeschlagen und insgesamt mehr als drei Millionen Euro erbeutet haben. Angerichtet wurde ein Sachschaden von mindestens 5,5 Millionen Euro. Der genaue Prozesstermin steht laut Staatsanwaltschaft noch nicht fest.

Den Ermittlungen nach haben Mitglieder dieser Bande seinerzeit auch in Weßling zugeschlagen. Demnach deponierten sie festen, selbst gemischten Sprengstoff an den Geldautomaten, um ihn in die Luft zu jagen. Dabei wurde nach Angaben des LKA die etwa 55 Kilogramm schwere Tresortür geknackt und die Täter konnten die Geldkassetten ergreifen und flüchten. Durch die Wucht der Detonation waren Trümmerteile bis auf die Hauptstraße geflogen. In unmittelbare Nähe wäre die Explosion tödlich gewesen, sagte damals ein LKA-Sprecher.

Die Fahnder waren sich bald sicher, dass die Verbrecher auch in Weßling den Tatort und dessen Umfeld zuvor genau ausgespäht hatten. Die nahe Autobahn und weitere günstige Fluchtwege sollen für die Bande wichtige Kriterien gewesen sein, um bestimmte Geldautomaten zu sprengen. Die Ermittler fanden unter anderem heraus, dass die Täter meistens dunkle PS-starke Fahrzeuge mit gestohlenen Kennzeichen benutzten und mit diesen schnellen Autos offenkundig von den Niederlanden aus nach Bayern aufgebrochen sind.

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