Süddeutsche Zeitung

Volkstrauertag in Starnberg:Behutsam miteinander umgehen

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Das Gedenken beschränkt sich im Landkreis wegen der Corona-Pandemie auf Kranzniederlegungen ohne Besucher.

Von Michael Berzl, Starnberg

Keine Fahnenabordnungen, keine Musik, keine Reden, stattdessen eine Schweigeminute in kleinem Rahmen: So kann das Gedenken an die Opfer der Kriege in Zeiten der Corona-Pandemie aussehen. Das Vermeiden von Kontakten bedeutet in dem Fall den Verzicht auf eine öffentliche Veranstaltung. Wie andere Kommunen im Landkreis auch hat die Stadt Starnberg auf die am Volkstrauertag sonst üblichen Feierlichkeiten mit vielen Teilnehmern verzichtet.

"Um diesem Anlass dennoch mit Respekt und Wertschätzung zu begegnen", so heißt es in einer Mitteilung des Rathauses, wurden aber dennoch bereits am Samstag an den Kriegerdenkmalen Kränze niedergelegt. Landrat Stefan Frey (CSU), Bürgermeister Patrick Janik (UWG) und Oberst Rainer Simon sind am Sonntag zusammen mit einer Ehrenwache zu einem kurzen Gedenken in den Waldfriedhof gekommen. Wo sich sonst in den vergangenen Jahren bis zu hundert Teilnehmer versammelten, haben sich diesmal nur zwei Zuschauer eingefunden.

Anlässlich des Gedenktages fordert Landrat Frey, "solidarisch und behutsam miteinander umzugehen. Gerade in der heutigen Zeit der scheinbar grenzenlosen Freiheit". Der Spaltung der Gesellschaft sowie Rassismus, Antisemitismus und Intoleranz müsse man eine klare Absage erteilen, heißt es in einem vorab veröffentlichten Statement.

Auch Bürgermeister Janik schlägt in seinen Gedanken zum Volkstrauertag einen Bogen von der Vergangenheit zu aktuellen Ereignissen und erklärt: "Die jüngsten heimtückischen Anschläge in Frankreich und Österreich ermahnen uns, dass wir gemeinsam in Solidarität zusammenstehen müssen." Frieden, Freiheit und Demokratie brauchten Menschen, "die sie erkämpfen und bewahren, die sie schützen und stärken".

"Ihr Tod verpflichtet die Lebenden", erklärte Oberst Simon, der Kommandeur der Informationstechnik-Schule der Bundeswehr in Feldafing beim Gedenken an die Opfer der beiden Weltkriege, von Diktatur, Gewalt und Terror. Er betonte die Verpflichtung, "Frieden und Menschenwürde zu verwirklichen, Freiheit und Menschenrechte wahr und haltbar zu machen".

Auch in Herrsching musste eine öffentliche Kranzniederlegung mit Blaskapelle in diesem Jahr wegen der Pandemie entfallen. Bürgermeister Christian Schiller wollte lediglich nach dem Gottesdienst noch in der Kirche eine kurze Rede halten. In Andechs waren ebenfalls nur kurze Ansprachen nach den Gottesdiensten vorgesehen; die anschließenden Kranzniederlegungen fanden ohne Publikum statt.

Auf dem Waldfriedhof in Gauting fand eine Kranzniederlegung mit Vertretern der Veteranen- und Kriegervereine statt. Die Ansprache von Bürgermeisterin Brigitte Kössinger (CSU), in der sie an die Schrecken des Krieges erinnerte, wurde auf die Internet-Seite der Gemeinde übertragen und kann dort angeschaut werden. Frieden sei keine Selbstverständlichkeit, sagte sie. Weiterhin gebe es gewaltsam ausgetragene Konflikte, Millionen von Toten seien zu beklagen, seit 192 hätten 114 Bundeswehrsoldaten in Ausübung ihres Dienstes im Ausland ihr Leben verloren. Auch ihrer werde nun gedacht.

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Quelle:
SZ vom 16.11.2020
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