Süddeutsche Zeitung

Starnberg:Stadtzentrum statt Hotel

Die Grünen schalten sich in die Debatte über den Bayerischen Hof ein. Sie schlagen den Abriss des Gebäudes und einen Neubau mit alter Fassade, Tiefgarage und möglichst vielfältiger Nutzung vor.

Von Peter Haacke, Starnberg

Abriss? Oder Sanierung? Und wer soll das bezahlen? Vor allem aber: Was dann? Die Fragen zur Zukunft des maroden Hotels "Bayerischer Hof", das seit Mitte Dezember wegen gravierender baulicher Mängel komplett gesperrt ist, beschäftigt nicht nur Starnbergs Bürger, sondern zunehmend auch die politischen Gruppierungen. Der Markt für Ideen ist eröffnet, erste Vorschläge für eine erweiterte Hotelnutzung existieren bereits.

Die Grünen präsentieren nun ein weiteres Konzept: Angesichts des erbarmungswürdigen Zustands des 1865 erbauten Hauses - aus Sicht der Grünen ist eine Sanierung im Bestand weder technisch noch finanziell sinnvoll - sollte der Bayerische Hof abgerissen werden. Anstelle eines großen Hotels aber schlagen die Grünen auf dem 7500 Quadratmeter großen Areal den Bau eines "attraktiven und belebten Stadtzentrums" mit einstöckiger Tiefgarage vor, "das den Charakter und die Besonderheiten Starnbergs hervorhebt", schreibt Fraktionschef Franz Sengl. Die Fassade des Hauses soll dabei erhalten bleiben.

Auch den Grünen sei bewusst, dass der Bayerische Hof ein identitätsstiftendes Gebäude für Starnberg ist, so Sengl. Doch seit Jahrzehnten sei bekannt, dass Dach, Decken und Gründung, Brandschutz und Haustechnik dringend sanierungsbedürftig seien. "Mit der Nutzungsuntersagung ist dieser Zustand nunmehr öffentlich sichtbar und die Behebung der Probleme, die Stadtrat und Verwaltung so viele Jahre vor sich her geschoben haben, unumgänglich", stellt Sengl fest. Schwerwiegendster Grund für einen Abriss aber seien nicht etwa Brandschutz oder Haustechnik, "sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit die statisch nicht mehr nachweisbare Gründung, vermutlich Holzpfähle", erklärt Sengl. Sollte sich diese Annahme bewahrheiten, wäre das Gebäude kaum zu retten.

In ihre Überlegungen einbezogen haben die Grünen die "Villa Bayerlein" (Alte Oberschule): Das Mitte der Dreißigerjahre erbaute Haus, in dem die VHS residiert, sei zwar baulich in sanierungsfähigem Zustand, gleichwohl müsse sie "unabhängig von einer zukünftigen Nutzung so umgebaut werden, dass die Brandschutzauflagen erfüllt und ein behindertengerechter Zugang ermöglicht werden". Die beiden weiteren denkmalgeschützten Gebäude auf dem Areal - darunter eine kaum mehr genutzte Remise - könnten saniert und anderweitig genutzt werden. Alle Maßnahmen müssten mit dem Denkmalschutz abgestimmt werden, betont Sengl.

Der Neubau an alter Stelle solle zusammen mit einem neu gestalteten Bahnhofsplatz und Kulturbahnhof ein attraktives Zentrum mit möglichst vielfältiger Nutzung ergeben. "Uns schwebt ein Zentrum für Innovation, Kultur, Technik, Handel, Sozialeinrichtungen, Vereine und Gastronomie vor", schreibt Sengl. "Bewusst sollen sehr unterschiedliche Nutzer angezogen werden, damit eine möglichst belebte, interessante Mischung entsteht." Eine reine Nutzung als Hotel der Luxus-Klasse erachten die Grünen in Bahnhofsnähe für ungeeignet. Gegen eine kleinteilige Hotelnutzung gebe es zwar keine Einwände. Doch ein Investorenwettbewerb von 2011 habe ergeben, dass für Hotelbetreiber nur eine "Bettenburg" mit deutlich mehr als 200 Zimmern in Frage komme. Die Grünen schlagen eine Art Campus-Lösung vor, die bereits in vielen Gemeinden erfolgreich umgesetzt worden sei - allerdings nur unter Verzicht auf eine allzu starre Ausrichtung auf Profit, Wachstum und Gewerbe, was sich ansonsten negativ auf ein "charmantes Ambiente" auswirken würde.

Die Grünen gehen davon aus, dass die Stadt angesichts ihrer prekären Haushaltslage diese Umgestaltung keinesfalls allein stemmen kann. "Wir müssen uns also auf die Suche nach Investoren begeben", schreibt Sengl. Eine Möglichkeit wäre die Gründung einer GmbH, in der neben der Stadt auch Unternehmen, Banken und Privatinvestoren Anteile erwerben könnten. Um ihren Einfluss sicher zu stellen, solle die Stadt eine Sperrminorität halten. "Das Gelände sollte dann so bebaut werden, dass einerseits genügend Nutzfläche entsteht - vier Etagen sind möglich-, gleichzeitig aber der neue Bayerische Hof und die Villa Bayerlein die dominanten Gebäude bleiben." Aufgrund des schwierigen Baugrunds und aus Umweltschutzgründen sollte "eine möglichst leichte Bauweise (Holz) vorgezogen werden", so Sengl. Der Stadtrat will bis zum Sommer eine Lösung für den Bayerischen Hof finden.

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SZ vom 09.02.2021
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