Süddeutsche Zeitung

Pandemie:Coronavirus-Ausbruch mit 16 Infizierten in Herrschinger Klinik

Zehn Patienten und sechs Mitarbeiter sind betroffen, drei Menschen sind gestorben. Als Auslöser gelten zwei Patienten, die trotz eines negativen Tests ansteckend gewesen sein sollen.

Von David Costanzo

Die Herrschinger Schindlbeck-Klinik kämpft mit einem Ausbruch des Coronavirus. Zehn Patienten und sechs Mitarbeiter sind infiziert, meldet das Landratsamt, drei Menschen sind gestorben. Diese Patienten seien "schwerstkrank" auf der Palliativstation behandelt worden und "mit, aber nicht an" ihrer Infektion gestorben, heißt es in einer Mitteilung der Kreisbehörde. Betroffen seien zwei Stationen, die nun unter Quarantäne stünden. Das Krankenhaus hat die Aufnahme von Patienten eingeschränkt und ein Besuchsverbot mit Ausnahme der Palliativstation erlassen.

Auslöser waren nach Darstellung des Landratsamts zwei Patienten, die zwar vor ihrer Aufnahme negativ getestet wurden, aber dennoch infiziert waren. "Es handelt sich um zwei voneinander unabhängige, aber klar eingrenzbare Ausbruchsgeschehen auf zwei Stationen der Klinik", teilt die Behörde mit. Jeder Patient werde erst nach einem Test aufgenommen, dennoch könne es zu unerkannten Infektionen kommen. Das soll nun gleich zweimal praktisch gleichzeitig der Fall gewesen sein.

Weitere Informationen waren am Dienstagnachmittag weder von der Einrichtung, noch vom Landratsamt zu erhalten. Übermittelt wurde nur die Versicherung des Chefarztes und Ärztlichen Direktors Achim Rotter, alles zu tun, "um die Situation schnellstmöglich zu lösen". Nachfragen in der Klinik waren nicht möglich. Der Landkreis hatte das Krankenhaus mit etwa 120 Betten im Februar dieses Jahres mit seiner Starnberger-Kliniken-Gesellschaft übernommen.

Einzig deren Geschäftsführer Thomas Weiler, der gleichzeitig als Pandemiebeauftragter für die Landkreise Starnberg, Landsberg, Fürstenfeldbruck und Dachau fungiert, konnte zumindest das grundsätzliche Prozedere erläutern. Alle Patienten würden vor der Aufnahme mit Schnelltests untersucht, die teilweise nachträglich mit so genannten PCR-Tests überprüft würden. Wegen der Inkubationszeit von fünf bis sechs Tagen gebe es jedoch eine Lücke: Steckten sich Patienten unglücklicherweise etwa am Tag vor ihrer Aufnahme an, könne dies unentdeckt bleiben.

Zwar seien Mitarbeiter und Patienten zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes verpflichtet. Zu Ansteckungen könne es dennoch kommen, weil sich insbesondere hochbetagte Patienten schwertäten, die Hygieneregeln durchgängig einzuhalten. Von den beiden betroffenen Stationen sei eine nun eine Covid-19-Einheit, die andere stünde leer. Auf der Intensivstation seien die fünf Betten belegt, darunter mindestens zwei von Patienten mit Coronavirus. Weiler geht davon aus, dass die Klinik den Ausbruch eingedämmt habe.

Das Gesundheitsamt stehe in ständigem Austausch mit der Klinikleitung, teilt das Landratsamt mit. Gemeinsam seien die Vorschriften verschärft worden: Das Krankenhaus werde sich bei den Rettungsdiensten von der Aufnahme von "Normalpatienten" abmelden, hieß es. Mitarbeiter mit Kontakt zu Patienten müssen nun Masken mit dem höheren Schutzstandard FFP 2 tragen und werden zweimal wöchentlich auf den Erreger getestet. Besuche sind nur noch auf der Palliativstation zulässig. Auch dort müssen die Besucher die speziellen Masken tragen.

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SZ vom 09.12.2020/van
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