Süddeutsche Zeitung

Bürgerversammlung:Corona-Krise beschert Gauting Millionenverluste

Bürgermeisterin Brigitte Kössinger kündigt einen deutlichen Rückgang bei den Steuereinnahmen an. Der Handwerkerhof soll 2022 eröffnen.

Von Michael Berzl

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise bescheren der Gemeinde Gauting einen schmerzhaften Einbruch bei den Steuereinnahmen. Bürgermeisterin Brigitte Kössinger (CSU) rechnet damit, dass das Gewerbe in diesem Jahr nicht die eingeplanten acht Millionen Euro bezahlt, sondern zwei Millionen weniger. Diese Prognose präsentiert die Rathauschefin in ihrem in einem Video-Film vorgestellten Rechenschaftsbericht in den Bürgerversammlungen. Auch bei der Einkommensteuer, der nach ihren Worten bedeutendsten Einnahmequelle der Gemeinde, rechnet sie mit einem Rückgang in einer ähnlichen Größenordnung und beruft sich dabei auf Berechnungen des Statistischen Landesamtes. Neben den Finanzen sind die Entwicklung der geplanten Gewerbegebiete und Bauvorhaben im Ort weitere Themen in ihrem Bericht. Das Interesse der Bürger hält sich in Grenzen. Zur Versammlung am Mittwoch in der Unterbrunner Mehrzweckhalle waren 34 Besucher angemeldet, davon sechs Gemeinderäte.

Platz fürs Gewerbe

Vom Jahr 2022 an sollen sich die ersten Handwerksbetriebe auf einem Grundstück im Westen des Ortes ansiedeln können. Sämtliche Parzellen in der Fläche zwischen Ammerseestraße und der Straße nach Pentenried seien aufgeteilt, berichtete Bürgermeister Kössinger. Die Erschließung solle im nächsten Jahr beginnen. Auch die neue Polizeiinspektion soll auf dem Gelände des Handwerkerhofs untergebracht werden. Bei einem weiteren Gewerbegebiet, das die Gemeinde westlich der Asklepios-Klinik plant, gibt es noch Probleme mit der Zufahrt. Laut Kössinger laufen derzeit Verhandlungen zur Zuwegung. Im "Gautinger Feld" sollen "absolut vorrangig" ortsansässige Betriebe ein neues Quartier finden, die mehr Platz brauchen. Beim dritten und größten Gewerbegebiet im Unterbrunner Holz werden sich laut Kössinger "im Laufe des kommenden Jahres neue Entwicklungen ergeben."

Barrieren am Bahnhof

Der Bahnsteig in Gauting ist bisher nur von einer Seite aus barrierefrei zu erreichen. Wer von der Villenkolonie kommt und den direkten Weg wählt, muss eine Treppe in die Bahnunterführung hinabsteigen. Auf dieses Problem machte Hans Herde vom Seniorenbeirat aufmerksam, der dieses Thema schon öfter mit der Bürgermeisterin erläutert hat. Eine kurzfristige Lösung konnte Kössinger jedoch nicht versprechen. Verhandlungen mit der Bahn seien schwierig. Sie sei schon froh, dass derzeit immerhin der Bahnhof saniert werde.

Straßenzustand

Ein Messfahrzeug der Berliner Firma "Eagle Eye Technologies" untersucht den Zustand der Straßen im Gautinger Gemeindegebiet. Erste Ergebnisse würden im November vorliegen, kündigt Bürgermeisterin Kössinger in ihrem Rechenschaftsbericht an. Mit Digitalkameras und Laserscanner werden die Fahrbahnen vermessen und gefilmt, um so detaillierte Daten über das insgesamt etwa 100 Kilometer lange Straßennetz zu liefern. Aufgrund dieser Angaben werden die nötigen Arbeiten je nach Priorität sortiert und dem Gemeinderat vorgestellt.

Drogendealer in Haft

Bei der Bürgerversammlung berichtete auch Martin Heinrich, der stellvertretende Leiter der Gautinger Polizei, über die Entwicklungen im zurückliegenden Jahr. Der Tenor: Aus Sicht der Sicherheitskräfte ist es sehr ruhig. So ruhig, dass es gerade wegen des Lockdowns "schwierig war für die Kollegen, sich zu motivieren", wie Heinrich sagte. Das gilt nach seinen Worten für den Straßenverkehr ("Alles nicht gravierend") wie für die Kriminalität. Der größte Coup war für die Polizei, dass ein Drogendealer gefasst werden konnte, der bis ins Frühjahr hinein in großem Stil Rauschmittel an junge Leute verkauft habe. Der Verkäufer sei mittlerweile zu einer Haftstraße von drei Jahren verurteilt worden. "Das war ein toller Erfolg", sagte Heinrich. Ansonsten muss er sich gelegentlich mit feiernden Jugendlichen herumärgern, deren Verhalten er manchmal als "unverschämt" empfindet. Außerdem würden Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz, also gegen Corona-Vorschriften, geahndet und Radler kontrolliert, die auf dem Gehweg an der Bahnhofstraße manchmal mit hohem Tempo bergab fahren.

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Quelle:
SZ vom 16.10.2020
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