Süddeutsche Zeitung

Feldafing:Schneller und flexibler

Das Kommunalunternehmen Pewu soll kommunale Projekte angehen. Bauingenieur Andreas Keller ist der neue Vorstand

Von Otto Fritscher, Feldafing

"Es wird immer mehr", sagt Feldafings Bürgermeister Bernhard Sontheim. Damit meint der Gemeindechef vor allem die Mehrarbeit, die auf die Bauverwaltung im Rathaus zukommt, durch neue, komplizierte Vorschriften, aber auch durch eine Vielzahl von Projekten, die in der nächsten Zeit in Angriff genommen werden müssen. Etwa die Erneuerung der Tartanbahn im Buchheim-Stadion, die rund eine halbe Million Euro kostet, die Sanierung des denkmalgeschützten Strandbads, der Spielplatz an der Wankstraße, die Heizung der Turnhalle und einiges mehr.

Größtes Zukunftsprojekt der Gemeinde Feldafing ist die Umwandlung des Kasernengeländes für eine zivile Nutzung. Diese steht spätestens für 2020 an, wenn die Bundeswehr abgezogen ist. Bekanntlich will die Kommune dann das gesamte, etwa 30 große Hektar Areal von der Bima, der Bundesimmobilienanstalt, kaufen.

Dafür braucht es ein schlüssiges Nutzungskonzept. Und für die aktuellen Projekte sind nach der Planung die Vergabe der Bauarbeiten und deren Koordination und Überwachung zu leisten. "Das schaffen wir allein nicht mehr", sagt Sontheim. Aber als ob es frühere Gemeinderäte schon geahnt hätten, dass Unternehmen oft flexibler handeln können als kommunale Verwaltungen, wurde in Feldafing bereits 2004 die Pewu gegründet. Das ist die Abkürzung für Planungs-, Erschließungs- und Wirtschaftsförder-Unternehmen Feldafing. Die vergangenen Jahre war das Kommunalunternehmen Pewu etwas im Dornröschenschlaf gelegen, doch nun hat es Sontheim, der als kommissarischer Vorstand fungierte, wieder aufgeweckt.

Seit 1. Oktober ist Andreas Keller neuer, hauptamtlicher Vorstand der Pewu. Der 52-jährige Bauingenieur hat bisher für ein Hoch- und Tiefbauunternehmen in Kaufering (Landkreis Landsberg) gearbeitet. Er kennt aber den Landkreis Starnberg und auch Feldafing durch verschiedene Projekte wie etwa die Sanierung der Terrasse an der Villa Waldberta in Feldafing. "Mich reizt besonders das Bauen bei denkmalgeschützten Objekten", sagt der Diplom-Ingenieur, und da dürfte er allein mit den Sturmblockhäusern aus der Nazi-Zeit, die im Kasernenareal stehen, genug zu tun haben.

Sein erstes Projekt ist erst einmal die Sanierung der Tartanbahn. Sontheim verspricht sich durch die Pewu wirtschaftliche Vorteile - sprich Spareffekte - für die Gemeinde. "Als Kommunalunternehmen muss die Pewu nicht jedes Projekt ab einer Größenordnung von rund einer Viertelmillion Euro europaweit ausschreiben", erklärt der Rathauschef. Vielmehr kann die Pewu Angebote einholen, und sie muss nicht das günstigste nehmen. "So können wir auch mehr Aufträge an einheimische Unternehmen vergeben", ist Sontheim überzeugt. Für die Arbeit, die auf Keller lastet, hätte man in der Gemeindeverwaltung mindestens zwei neue Mitarbeiter einstellen müssen, sagt Sontheim. Nicht, weil die langsamer arbeiteten, sondern weil sie mit komplizierten Vorschriften und Ausschreibungen gezügelt würden.

Keller freut sich auf seine neue Aufgabe. "Ich arbeite gerne eigenständig", sagt er. Und dann sei das Arbeitsspektrum in der Pewu sehr breit. Bereits nächstes Jahr soll ein Mitarbeiter hinzukommen; wenn die Kasernen-Konversion richtig anläuft, werden es in Hochzeiten "fünf, sechs Mitarbeiter bei der Pewu sein", glaubt Sontheim.

Andreas Keller hat sein Büro noch im Rathaus, wird aber in der nächsten Zeit umziehen ins alte Rathaus, in die Villa Maria, und dort sein Büro im ehemaligen Bürgermeisterzimmer von Sontheim einrichten. Sontheim ist jetzt Vorsitzender des Pewu-Verwaltungsrats.

Im Landkreis Starnberg hat nur noch die Gemeinde Seefeld ein Kommunalunternehmen.

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Quelle:
SZ vom 24.10.2018
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