Süddeutsche Zeitung

Andechs:24 000 Flaschen pro Stunde: Klosterbrauerei baut neue Abfüllanlage

Der neue, zwölf Millionen Euro teure Anbau wird mit modernster Technik ausgerüstet und soll im September fertig sein.

Geplant ist sie schon seit vielen Jahren, die Erweiterung der Klosterbrauerei in Andechs. Seit gut einem Jahr wird nun daran gearbeitet, und schon im September soll das auf etwa zwölf Millionen Euro kalkulierte Projekt fertiggestellt sein. Bei den hohen Investitionen, die die Benediktinermönche in eine der wenigen echten Klosterbrauereien Deutschlands stecken, geht es allerdings nicht um eine Erhöhung der Kapazität, sondern um Umweltfreundlichkeit, Effizienz und sogar um ein gesünderes Arbeitsklima für die Mitarbeiter. Deshalb wird in dem Bauwerk, das für eine neue Flaschenfüllanlage sowie eine Lagerhalle für Leergut errichtet wird, jede Menge Hightech verbaut.

Der größte Spezialist für all die moderne Technik scheint der Betriebsleiter der Klosterbrauerei, Alexander Reiss, zu sein. Es gibt keine Frage, die er beim Presserundgang am Dienstag nicht beantworten könnte, und wenn sie noch so kompliziert zu sein scheint. Er schnurrt die Antworten herunter, als habe er jedes einzelne noch so kleine Plandetail im Kopf. Und es könnte gut sein, dass dieser Eindruck auch nicht trügt. Reiss ist täglich auf der Baustelle unterwegs, ist zu erfahren. Derzeit laufen dort im Außenbereich die Arbeiten für die Zufahrten der Lkw, die Leergut anliefern und volle Flaschen und Fässer wieder ausliefern. Sie werden künftig rund um die Brauerei fahren können. Im Inneren des neuen Anbaus fehlen noch ein paar Wände, die allerdings erst eingebaut werden, wenn alle Maschinen aufgebaut sind - darunter auch die hochmoderne Flaschenfüllanlage, die bis zu 24 000 Flaschen in der Stunde füllen könnte - könnte deshalb, weil die Klosterbrauerei auch in Zukunft nur einen Einschichtbetrieb dort fahren will und maximal 18 000 bis 20 000 Flaschen pro Stunde an vier Tagen die Wochen abfüllen will. Das allerdings wiederum erfolge nun effizienter, umweltbewusster und auf höchsten hygienischen Standards, so Reiss. Etwa drei Kilometer werden dann die Edelstahlrohre sein, die für die Anlage nötig sind.

Mit der neuen Flaschen-Füllanlage will die Brauerei aber auch ihren Energieverbrauch senken: allein beim Wasser, das für deren Betrieb nötig ist, von bisher 0,66 Liter pro Liter produzierten Bier auf nur mehr 0,36 Liter. Zudem wird die Füllerei, die etwa 900 Quadratmeter der Grundfläche des insgesamt 2500 Quadratmeter großen Anbaus einnimmt, mit einer speziellen Fußbodenheizung beheizt, die sich unter anderem aus der Abwärme von Kühlaggregaten und Kompressoren speist. Zudem erhält die Halle ein intelligentes Lüftungssystem, das die Luftreinheit sowohl im Innenbereich als auch draußen garantieren soll. Der Boden im Bereich der Füllanlage ist leicht uneben und nur an den tiefsten Stellen mit Gullys versehen: "Das bedeutet für unsere Mitarbeiter, das sie immer im Trockenen arbeiten, nie dort, wo sich das Wasser fängt", sagt Reiss.

Ganz wichtig ist der Klosterbrauerei aber auch die 1000 Quadratmeter große Lagerhalle für Leergut und Palettierer, die nun geschaffen wird. Bislang stapeln sich die Kästen mit den leeren Flaschen im Freien - was vor allem im Winter ein großes Problem darstellt. Durch die große Temperaturdifferenz zwischen den eiskalten Flaschen draußen und der Waschanlage drinnen kommt es immer wieder zu Glasbruch. Angesichts des ohnehin riesigen Problems, wieder an Leergut zu kommen - über das auch andere Getränkehersteller klagen - ein wichtiger Kostenfaktor. Eine neue Flasche, wie Andechs sie verwendet, koste etwa 14 Cent, sagt Reiss. Für jede falsche Flasche, die bei ihnen lande, bekämen sie aber nur vier bis fünf Cent: "Klar, dass das ein Verlustgeschäft ist, oder?"

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Quelle:
SZ vom 31.07.2019
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