Süddeutsche Zeitung

Spielfilm:Einsamkeit auf Italienisch

Die Filmreihe des Kulturvereins "Circolo Cento Fiori" findet im Gasteig statt und zeigt alle Filme im italienischen Original.

Von Josef Grübl

Er sei eben Italiener, seufzt der Schweizer Vater über das ihm anvertraute Pflegekind: "Und Italiener kann man nicht erziehen." Giorgio Dirittis Spielfilm Volevo nascondermi (Ich wollte mich verstecken) erzählt die Geschichte des Künstlers Antonio Ligabue - einem echten Systemsprenger: 1899 in Zürich geboren, wurde er als Kind von einer Familie zur nächsten weitergereicht, er landete in Waisenhäusern und der Psychiatrie, als Jugendlicher wies man ihn aus der Schweiz aus. Als Fremder in Italien ohne Geld, Kontakte und Sprachkenntnisse wurde er als Sonderling abgestempelt, er vegetierte in einer Hütte am Po-Ufer, malte und schuf Lehmskulpturen. Doch dann erkannte ein Bildhauer sein künstlerisches Talent. Der Film lief letztes Jahr im Wettbewerb der Berlinale, sein Hauptdarsteller Elio Germano wurde mit dem Silbernen Bären als bester Schauspieler ausgezeichnet. Jetzt ist er in München zu sehen, im Rahmen eines Filmwochenendes des Kulturvereins Circolo Cento Fiori. Die Veranstaltung unter dem Motto "Facetten der Einsamkeit" hätte eigentlich schon letztes Jahr stattfinden sollen, fiel aber pandemiebedingt aus. Jetzt wird sie im Carl-Amery-Saal im Gasteig nachgeholt, alle Filme werden im italienischen Original mit Untertiteln gezeigt. Volevo nascondermi ist am Sonntag, 13. Juni um 17 Uhr, zu sehen. Am selben Tag um 20 Uhr steht die satirische Komödie Orecchie (Ohrensausen) aus dem Jahr 2016 auf dem Programm: Darin stolpert ein Mann einen Tag lang von einer verrückten Situation in die nächste. Eröffnet wird das Filmwochenende von dem Drama Nour (Sa., 12. Juni, 17 Uhr), das von einem Arzt auf Lampedusa erzählt: Pietro (Sergio Castellitto) kümmert sich um die auf der Insel ankommenden Flüchtlinge. Als er ein zehnjähriges Mädchen aus Syrien entdeckt, nimmt er sie entgegen aller Vernunft bei sich zu Hause auf. Bereits etwas älter ist der Film Caos Calmo (Stilles Chaos) aus dem Jahr 2008 (Sa., 12. Juni, 20 Uhr): Nanni Moretti spielt darin einen vielbeschäftigten Manager, dessen Frau plötzlich verstirbt. Das stellt seine Existenz völlig auf den Kopf, er bringt seine kleine Tochter zur Schule, setzt sich auf eine Parkbank - und lässt das Leben auf sich zukommen.

Filmwochenende: Facetten der Einsamkeit, Sa., 12., und So., 13. Juni, Carl-Amery-Saal, Gasteig, Rosenheimer Str. 5, Tickets an der Abendkasse

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SZ vom 10.06.2021
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