Süddeutsche Zeitung

Ramersdorf:Vom Charme des Quartiers

Herbstfest mit Fokus auf die Einzigartigkeit des Ensembles am Loehleplatz

Von Hubert Grundner, Ramersdorf

Die Gelegenheit, in einem historischen Viertel, das einzigartig in München ist, mitzufeiern, bietet sich am Samstag, 9. Oktober. Dann findet von 13 bis 18 Uhr am Loehleplatz ein Herbstfest statt. Dazu eingeladen haben Anwohner sowie Mitglieder der "Aktionsgemeinschaft Unser Ensemble am Loehleplatz", die sich der Bewahrung des Quartiers in seiner jetzigen Erscheinung verschrieben haben. Passend dazu bieten sie um 14 und um 17 Uhr kostenlose Führungen an, Treffpunkt ist der Loehleplatz. Die Musik kommt vom Oktober Folk Club. Besucherinnen und Besucher können sich mit Kaffee, Kuchen und kalten Getränken stärken. Um die Mitnahme eigenen Geschirrs wird gebeten. Bei schlechtem Wetter wird das Fest um eine Woche verschoben.

Mit diesem Fest möchten die Veranstalter auf den einzigartigen Charme des Viertels aufmerksam machen. So erinnern sie daran, dass das Landesamt für Denkmalpflege die Wohnanlage im März 2021 vollständig unter Denkmalschutz gestellt habe. Ein Erfolg, der aus ihrer Sicht nur möglich wurde, weil engagierte Anwohner und die Schutzgemeinschaft (SG) Ramersdorf rechtzeitig auf den drohenden Abriss aufmerksam machen konnten, anders als beispielsweise beim sogenannten Uhrmacherhäusl in Giesing. Leider sei aber die geplante Neubebauung immer noch nicht vom Tisch, heißt es bedauernd. Verantwortlich für diese Neubaupläne zeichnet der Gemeinnützige Wohnungsverein München 1899 e. V.

An Argumenten, warum man den "charaktervollen Bestand" schützen und bewahren sollte, fehlt es aus Sicht der Schutzgemeinschaft jedenfalls nicht. Sie stützt sich dabei auf Betrachtungen des Architekten Christoph Randl. Ihm zufolge gilt die Siedlung rund um den Loehleplatz als ein Musterbeispiel malerischen Städtebaus; errichtet zwischen 1907 und 1924, wurde sie von 1936 bis 1938 noch einmal erweitert. Die Nord-Süd-Achsen sind mit Blickrichtung auf die Kirche Maria Ramersdorf hin ausgerichtet, die eine der ältesten und bedeutendsten Wallfahrtskirchen Bayerns ist. Das Ensemble sei zudem ein beeindruckendes Relikt der Staffelbauordnung nach dem Architekten und Stadtplaner Theodor Fischer, der zu Anfang dieses Jahrhunderts dem Grundgedanken folgte, dass Neubauprojekte in einem übergeordneten und gesamtstädtischen Konzept einzubinden sind.

Dementsprechend ist die äußere Bebauung an der Rosenheimer Straße als Ein- und Ausfallstraße viergeschossig, während im inneren Bereich der Siedlung die Gebäude von drei- zu zweigeschossig herabgestaffelt worden sind. Frage und Mahnung zugleich, heißt es am Ende der Einladung zum Herbstfest: "Wie viele historische Viertel darf München noch verlieren?"

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Quelle:
SZ vom 07.10.2021
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