Süddeutsche Zeitung

Programmkinos:Die SPD will kleine Kinos wieder groß machen

  • Die Kulturbeauftragten der SPD wollen die Neugründung von kleinen Kinos in der Filmstadt München langfristig unterstützen.
  • In den vergangenen Jahren haben etwa Atlantis, Eldorado, Filmcasino und Tivoli geschlossen, das Maxim haben vier neue Inhaber gerettet.

Von Michael Zirnstein

Vier Stadträte der SPD haben sich vor der Leinwand aufgebaut. Ihre Aktion steht zwar nicht auf dem Programm des Neuen Maxim, aber sie wollen hier bei dieser Presseaktion großes Kino machen. Oder besser: Die Kulturbeaufragten der SPD wollen kleine Kinos groß machen. "Die Programmkinos sind uns sehr wichtig", erklärt der kulturpolitische Parteisprecher Klaus Peter Rupp. Die kleinen Lichtspielhäuser kämpften ums Überleben. Deswegen haben die Sozialdemokraten Anträge an das Kulturreferat gestellt: Es soll Vorschläge erarbeiten, wie die Stadt die Neugründung von kleinen Kinos unterstützen und ihren Betrieb langfristig sichern kann.

Die Zahl der Programmkinos in München nehme trotz eines positiven Kinotrends ab, sagt SPD-Stadträtin Julia Schönfeld-Knorr. In den vergangenen Jahren haben etwa Atlantis, Eldorado, Filmcasino und Tivoli geschlossen. Daher solle das Kulturreferat prüfen, ob die Stadt Betreibern beim Neustart oder einer Übernahme helfen könne. Sollte so eine Anschub-Förderung kommen, kommt sie fürs Neue Maxim zu spät. Die vier neuen Inhaber, die Münchens drittältestes Kino vergangenen Oktober gerettet haben, erhielten von der Stadt nur den generellen Technikzuschuss in Höhe von 10 000 Euro.

Auch durch eine Crowdfunding-Kampagne kratzten sie 100 000 Euro für Projektoren und Lautsprecher im 81-Plätze-Saal und im neuen Vorführraum im Keller zusammen. Dazu kamen Einrichtung, Lüftungsanlage und Brandschutz - "da hatten wir alles Geld ausgegeben", sagt Beate Muschler. Wenn sie auch zum Betrieb zuschießen müssten, seien die Besucherzahlen besser als erwartet. Mitinhaberin und Geschäftsführerin Anne Harder freut sich: "Wir sind in Neuhausen angekommen, wir sind ein kultureller Mittelpunkt im Viertel."

Das liegt auch am speziellen Programm, das außer Saalfüllern wie "Ich einfach unverbesserlich 3" hauptsächlich Nischenfilme wie "Gaza Surf Club" oder "The Party" bietet. In der Filmstadt München müsse es solche Angebote jenseits des Kommerzes geben, fordert Schönfeld-Knorr. Daher verlangt die SPD, den Programmförderpreis der Stadt aufzustocken, den es seit 2002 gibt. Nach einer Anpassung 2010 werden jährlich sechs Mal 5000 Euro verteilt, um die sich etwa acht kleine Kinos wie Theatiner, Werkstattkino, ABC und Rio bewerben. "Wir fordern, dass die Höhe in Hinblick auf die Zukunftsfähigkeit überdacht wird", sagt Rupp. Zumal die kleine Arthouse-Kinos im Zuge der Vorführ-Digitalisierung ständig nachrüsten müssten.

Gerade hat das Neue Maxim für eine Projektorleuchte 700 Euro bezahlt. Nach einem Jahr "mit allen Höhen und Tiefen" wird man sich auch heuer erstmals um den Förderpreis bewerben, der die Wertschätzung der Stadt kleinen Kinos wie ihnen gegenüber zeige, sagt Muschler. Ob man letztlich gewinne, sei nicht entscheidend: "Man macht Kino doch nicht fürs Geld und die Förderung."

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SZ vom 10.08.2017/libo
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