Süddeutsche Zeitung

Münchner Momente:Watt für eine Stadt!

Bislang dachte man beim Blick auf die Münchner Hausdächer immer: Weniger Solarzellen als hier, das geht gar nicht. Geht aber doch

Glosse von Jakob Wetzel

Wer Städte-Rankings mag, der weiß: München steht immer ganz oben. Worum es geht, spielt eigentlich keine Rolle: um Lebensqualität, Wohlstandsniveau, Wirtschaftskraft, die Höhe der Mieten, die Fußball-Bundesliga oder die Zahl der Stunden, die jeder im Durchschnitt im Stau steht. Egal, München ist top. Und deshalb kann man es nicht anders sagen: Dieser "Wattbewerb" ist ein herber Schlag.

Der "Wattbewerb" ist so etwas wie ein Wettlauf für Städte, den Klimaschutz-Initiativen organisiert haben. Die Herausforderung lautet: Welche Stadt schafft es als erste, doppelt so viel Leistung durch Photovoltaik zu erzeugen wie noch im Februar? Mehr als 100 Städte machen mit, große und kleine, von Aachen bis Würzburg, von Bremen bis Lindau am Bodensee. Und München? Landet nur auf Platz zwei. Gut, die Zahlen sind alle noch vorläufig. Aber in der Rangliste derjenigen Städte, die pro Einwohner bislang am wenigsten Photovoltaik installiert hatten, liegt München aktuell abgeschlagen zurück hinter Düsseldorf. Und im Ranking der Städte, die nach rund einem Dritteljahr Wettrennen immer noch am wenigsten Solarenergie pro Kopf erzeugen, ebenfalls! Was ist da los? München ist doch eigentlich eine Gewinnerstadt! Und bislang dachte man beim Blick auf die Münchner Hausdächer doch immer: Weniger Solarzellen als hier, das geht gar nicht. Die erbarmungslose Wahrheit aber ist: Doch, das geht.

Und dann ist es auch noch ausgerechnet Düsseldorf. Bayern wird schon wieder von Nordrhein-Westfalen ausgestochen. Man fühlt sich fast wie Markus Söder. Immerhin: In diesem "Wattbewerb" gibt es auch einen Lichtblick. Da ist nämlich noch ein drittes Ranking. Und in der Rangliste derjenigen Städte, die seit Februar am wenigsten Photovoltaik pro Einwohner zugebaut haben, die also gemessen an ihrer Größe am langsamsten vorankommen mit der Solarenergie, da liegt München derzeit knapp vor Düsseldorf.

Für Platz eins hat es allerdings auch in dieser Rangliste nicht gereicht: Den belegt Schwalbach am Taunus. Dieser Ort ist in Hessen und etwa halb so groß wie das Westend. München, ganz ehrlich: Zumindest da wäre mehr drin gewesen.

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Quelle:
SZ vom 17.06.2021
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