Süddeutsche Zeitung

Stemmerhof:Ton abgedreht

Nach Kündigung: Sendlinger Musikbühne sucht neue Spielorte

Von Dirk Wagner

Das war alles ganz anders geplant. Doch anstelle eines aktualisierten Mietvertrages, der dem Kulturverein Ars Musica im Stemmerhof auch künftig mit neuen Vorständen Rechtssicherheit bieten sollte, müssen die Macher rund um Vorstand Roland Fritsch die Bühne auf dem Sendlinger Berg Anfang Januar räumen. Der Vermieter und Geschäftsleiter des Stemmerhofs, Walter Kunz, nutzte das Anliegen des Vereins, um die Miete zu erhöhen und per Inserat einen neuen Betreiber für die Musikbühne zu suchen. "Wir glauben, dass gerade diese jetzt schlechte Zeit für Veranstaltungen eine große Chance für aktive Musiker und Musikmanager ist, die eine gut eingespielte Plattform in München suchen", erklärte Kunz in einem Schreiben an Fritsch. "Unser Ziel ist, dass die Musikbühne sich zu einem neuen Highlight am Stemmerhof entwickelt", schreibt Kunz, der selbst Vereinsmitglied ist, weiter.

Erst vor zwei Jahren wurde die Bühne mithilfe von Sponsoren und des Kulturreferats renoviert

Für Fritsch ist das besonders bitter. Er ist nicht nur Gründer des Kulturvereins. Er hatte vor 15 Jahren die Musikbühne auf dem Dachboden der ehemaligen Scheune gebaut und mithilfe des Vereins zur Kleinkunst-Oase auf dem Sendlinger Berg etabliert. Vor zwei Jahren wurde diese Oase noch mit Sponsorengeldern renoviert. Das Kulturreferat spendierte sogar eine neue Veranstaltungstechnik.

In diesem Jahr waren Fritsch und seine Mitstreiter ausreichend damit beschäftigt, Hygienekonzepte zu erarbeiten und sich Alternativen zu geplanten Veranstaltungen zu überlegen. Einige konnten sie als Live-Streams anbieten. "Da die Veranstaltungen vom Kulturreferat gefördert wurden, konnten die Live-Streams wenigstens die Gagen der Künstler retten", sagt die zweite Vereinsvorsitzende Michaila Kühnemann.

Dass ihre Bühne trotz aller Anstrengungen in diesem Jahr im Stemmerhof keine Zukunft hat, erfuhren sie nun per Zufall über einen befreundeten Musiker. Im Inserat heißt es: "Vermieterseits besonders erwünscht wäre die Fortsetzung der Kulturbühne Ars Musica." "Zugleich erfahre ich, dass die Miete mehr als verdoppelt wird", sagt Kühnemann. "Wobei zur Miete noch sehr hohe Nebenkosten hinzukommen, die die Verwaltung des Stemmerhofs mitfinanzieren", ergänzt Fritsch. Darum würde die Mieterhöhung die Möglichkeiten des Kulturvereins auch unabhängig von der aktuellen Corona-Situation überfordern.

Dass die Veranstalter ehrenamtlich arbeiten und mit der Bühne kein Geld zu verdienen ist, räumt der Vermieter ein. "Da wir die Räume auch gerne zukunftssicher machen", wie er betont, sei eine Mieterhöhung dennoch gerechtfertigt. Zumal 7,90 Euro pro Quadratmeter statt wie bisher 2,50 Euro immer noch günstig seien. "Es haben sich in dieser Woche ein paar sehr interessante Gespräche mit hochqualifizierten Leuten aus der Musik- und Theaterbranche ergeben", sagt Kunz.

Bis Anfang Januar verlässt Ars Musica den Stemmerhof. Die Technik dürfen sie in einem Lager des Kulturreferats unterstellen, der dem Verein auch bei der Suche nach neuen Spielorten behilflich ist. "Einige Kontakte haben wir ohnehin", sagt Kühnemann, die die Kulturarbeit mit Fritsch nun von einem Büro aus organisiert. Künftig will Ars Musica verschiedene Bühnen in Sendling mit seinem bewährten Programm beleben.

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SZ vom 30.11.2020/van
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