Süddeutsche Zeitung

Galerie "Dia" in Schwabing:16 Quadratmeter Kunst

Mit einem "SupermercARTo" verabschiedet sich die Produzentengalerie "Dia" aus ihrem kleinen Schauraum an der Georgenstraße, der aber ein Ort für kulturelle Vernetzung bleiben soll.

Von Ellen Draxel

Das "Dia" schließt. Zwei Jahre lang war der 16 Quadratmeter-Raum mit großem Schaufenster an der Georgenstraße 72 für viele Künstler eine Galerie-Oase. Ohne große Hürden zu überwinden, konnten sie dort Projektideen ausprobieren und bekamen faire und leistbare Konditionen, um ihr Können zu präsentieren. Denn die Dia-Gründer Lena Engel und Simon Kalienke waren nie auf Profit aus, sondern haben, trotz zeitintensivem Engagement, lediglich die Mietkosten weitergereicht. Jetzt aber will sich Fotografin Engel wieder mehr auf ihre eigene Kunst konzentrieren. Und übergibt deshalb den Raum, den sie seit einem halben Jahr gemeinsam mit der Galeristin Marion von Schabrowsky betreibt, im Januar an den Kunstpädagogen Kilian Ihler. Ein Vernetzungsort und Freiraum für kreativ-künstlerische Projekte wird die Adresse damit auf jeden Fall bleiben - nur unter anderem Namen.

Bis der Wechsel stattfindet, erwartet den Dia-Gast aber noch einmal ein breit gefächertes Kunst-Angebot. In den vergangenen Tagen hat sich der Schauraum bereits in einen "Kunst-Laden" verwandelt, in einen "SupermercARTo", der bis kurz vor Weihnachten Besucherinnen und Besucher willkommen heißt. "Nach 33 Gruppen- und Einzelausstellungen, wunderschönen Vernissagen, Lesungen, Performances, Kursen, bereichernden Gesprächen und Kooperationen ist dies das große Finale mit beinahe allen Künstlern und Künstlerinnen, die das Dia mit ihren Ideen, Projekten und Arbeiten bereichert haben", sagt Engel.

Unter den mehr als 200 Werken, die bei dem Schlussakkord zu sehen und zu erwerben sind, finden sich auch einige von Künstlern, deren Talent Lena Engel und Marion von Schabrowsky "unbedingt noch gerne zeigen" wollen. Die Bandbreite der Arbeiten reicht von Malereien über Zeichnungen, Druckgrafiken, Radierungen, Keramik, Fotografien, Comics, Künstlerbüchern und Postkarten bis hin zu Plastiken und Designobjekten.

Wegen der Kaufmöglichkeit darf das Dia trotz der Schließungen von Kulturräumen bis zum Ende der Laden-Ausstellung am 22. Dezember auch betreten werden, allerdings nur immer von einem Besucher oder Kunden. "Wir bitten daher gegebenenfalls um etwas Geduld", sagt Engel. Die 33-Jährige hat mittlerweile Erfahrung im Umgang mit der Pandemie, die Virusinfektion ist mit ein Grund, warum sie das Ruder nun abgibt. "Wir hatten das ganze Jahr 2020 im Vorfeld durchgetaktet und minutiös geplant und mussten dann ganz viel absagen oder verschieben." Unter anderem ein zweiwöchiges Foto-Festival im Frühling, das als alljährlich stattfindendes und sich stetig vergrößerndes Langzeitprojekt gedacht war, zur Vernetzung der lokalen und später auch internationalen Fotoszene. Es fiel dem Lockdown zum Opfer. Programm gab es dennoch immer wieder, aber viel eben online. "Sonst kämen die 33 Ausstellungen gar nicht zusammen", lacht die gebürtige Münchnerin.

War es das nun also mit dem "Dia-Raum für Kunst"? Nein, sagt Engel bestimmt. Weil das Projekt stets mehr gewesen sei als nur ein Zimmer, weil es mit der Idee geboren worden sei, insbesondere die Fotokunst zu verbreiten und die Protagonisten miteinander zu vernetzen, werde es auch ohne lokale Anlaufstelle weiterhin realisierbar sein. Webseite und Social Media des Dia bleiben also bestehen - und so wird Lena Engel das Konzept Dia in Kooperation mit dem Berliner Künstler Tim van den Oudenhoven weiterführen. Geplant sind virtuelle und reale Ausstellungen ebenso wie Projekte an verschiedenen Orten und mit verschiedenen Partnern. Auch, um den Austausch München-Berlin voranzutreiben. Im Raum an der Georgenstraße 72 möchte die Fotografin trotzdem hin und wieder präsent sein. In beratender Funktion und, um die Zusammenarbeit von Künstlern und Galerien im Viertel zu intensivieren. Den Stil einer "Produzentengalerie" soll der Raum auch künftig behalten.

Der Kunst-Laden "SupermercARTo" hat jeden Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 14 bis 19 Uhr sowie samstags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Bis zum 22. Dezember, an dem die Türen außer der Reihe von 14 bis 19 Uhr offen sein werden.

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Quelle:
SZ vom 05.12.2020
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