Süddeutsche Zeitung

Freizeit:Neues Konzept für die Reithalle

  • Die 1200 Quadratmeter große Reithalle an der Heßstraße hat neue Mieter.
  • Einen Vorgeschmack darauf, was dort entstehen könnte, gab es bereits. Die neuen Mieter waren die Macher des inzwischen geschlossenen Pop-Up Hotels "The Lovelace".
  • In der neu strukturierten Veranstaltungslocation in Schwabing sollen sich bald Opern- und Clubgänger, Yogis und Wissenschaftler, Jung und Alt, Künstler und Unternehmensgründer die Klinke in die Hand geben.

Von Wolfgang Westermeier

Was man erwarten darf, wenn ein Gastronom, eine Kunsthistorikerin und ein Architekt in eine gut 1200 Quadratmeter große Halle einziehen? Dass sich Opern- und Clubgänger, Yogis und Wissenschaftler, Jung und Alt, Künstler und Unternehmensgründer die Klinke in die Hand geben - zumindest dann, wenn alles nach den Plänen von Michi Kern, Elisabeth Kieser und Gregor Wöltje geht. Sie sind die neuen Mieter der Reithalle an der Heßstraße.

Das denkmalgeschützte Gebäude wurde über die letzten Jahre in unregelmäßigen Abständen für Veranstaltungen aller Art genutzt - vor allem Theater, klassische Konzerte und Nachtflohmärkte fanden hier statt. Mit dem Mieterwechsel kommt nun auch ein neues Konzept, und einen ersten Vorgeschmack auf das, was kommen könnte, gab es bereits. Denn Kern, Kieser und Wöltje sind keine Unbekannten, sie stecken hinter dem Pop-up-Hotel "The Lovelace" in der Altstadt, das nach knapp eineinhalb Jahren diesen Januar wieder schließen musste. Das Lovelace war nicht nur Hotel, es war Kulturzentrum, Partylocation, Yogastudio, Kino, Bar und Café.

Für die Reithalle versprechen sie eine ähnliche Vielfalt, und tatsächlich sind es die drei Personen, die so etwas wie einen roten Faden in dem Konzept bilden: Kern hat in München zahlreiche Clubs und Restaurants eröffnet, nach wie vor ist er am Pacha Club und zwei Yogastudios beteiligt. Seine Partnerin Kieser leitete in Berlin das vegane Restaurant Cookies Cream, zusammen mit Kern betreibt sie den Buchladen Lost Weekend. Wöltje ist unter anderem Gründer der Utopia Plattform, einer Online-Community für Nachhaltigkeit, und ebenfalls Betreiber des Lost Weekend.

Das Programm der neuen Reithalle, die dann "Utopia" heißen wird, soll entsprechend aussehen: Tanzveranstaltungen, Theater, Konzerte, aber auch Yoga, Partys, und Märkte sollen hier stattfinden. Bereits jetzt gibt es enge Kooperationen mit verschiedenen Veranstaltern, unter anderem mit der Bayerischen Staatsoper. "Wir versuchen, uns mit der Halle kulturell zu positionieren", sagt Kern. Wie die Nutzung schließlich aussehen wird, ist noch nicht endgültig klar. Das ist allerdings durchaus so beabsichtigt. "Die Halle soll sich von selbst entwickeln, eine eigene Dynamik entfalten. Dabei wollen wir bewusst offen für Veränderung und neue Leute bleiben", sagt Kern.

Dabei sind sie zuversichtlich, diese Vision auch umsetzen zu können. Das liegt zum einen daran, dass ihre Vermieter Florian und Jakob Faltenbacher sind. Die Brüder und Szene-Gastronomen, die unter anderem die Milchbar betreiben, sind die neuen Erbpachtnehmer der Reithalle. "Das ist natürlich toll für uns, weil von Anfang an Verständnis da ist und wir sehr vertrauensvoll zusammenarbeiten", sagt Kern. Zum anderen ist das Projekt sehr langfristig angelegt: Statt der knapp bemessenen 17 Monate, die man für das Lovelace zur Verfügung hatte, sind es nun mindestens 17 Jahre, in denen man das Utopia bespielen und entwickeln kann. "Dadurch können wir viel nachhaltiger arbeiten", so Kern.

Um die neuen Nutzungen zu ermöglichen, soll die historische Halle modernisiert werden: eine neue Sound- und Lichtanlage wird installiert, auch beim Schallschutz wird nachgebessert. Von außen wird die unter Denkmalschutz stehende Halle aber wohl weitgehend unverändert bleiben. Nur ein Anbau ist geplant für Lager, Personalräume und Garderoben. Die erste offizielle Veranstaltung im Utopia wird die Ausstellung Paper Position vom 17. - 20. Oktober sein. Für den November sind dann zwei Eröffnungspartys geplant. "Die Reithalle steht ja quasi Rücken an Rücken mit dem neuen Kreativquartier an der Dachauer Straße", sagt Kern. "Wenn das alles mal im Betrieb ist, wird das sicher ein super Ensemble."

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SZ vom 03.09.2019/pvn
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