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Kultur am Sendlinger Tor:Der Kampf um das Filmtheater geht weiter

Ob die denkmalgeschützte Kulturstätte am Sendlinger Tor eine Zukunft hat, ist noch unklar. Bei einem Treffen vor Ort wird deutlich: Nicht nur der Pächterfamilie liegt der Erhalt des Kinos am Herzen.

Von Christiana Swann

Es ist aus München nicht wegzudenken, und dennoch steht zur Debatte, ob das Filmtheater Sendlinger Tor eine Zukunft hat. "Ja, hat es", sagt Oliver Preßmar, dessen Familie das Kino seit drei Generationen betreibt. Preßmar hat zusammen mit Politikern am Donnerstag in das denkmalgeschützte Filmtheater geladen. "Es geht darum zu zeigen, dass auch die politischen Träger hinter dem Erhalt des Kinos stehen - nicht nur wir als Pächter."

Im Februar 2020 war bekannt geworden, dass die Hauseigentümer, vertreten durch die Münchner WIFA Vermögensverwaltung GmbH, den Pachtvertrag über den 30. Juni 2020 hinaus nicht verlängern wollten. Es seien Veränderungen nötig, hieß es unter anderem. Oliver Preßmar startete daraufhin eine Online-Petition und sammelte bis zum Februar 2021 mehr als 10 000 Stimmen für den Erhalt des Kinos. Die Petition übermittelte Preßmar dem Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter, dem Ministerpräsidenten Markus Söder und der Landtagspräsidentin Ilse Aigner.

Mit Erfolg. Robert Brannekämper (CSU), Vorsitzender des Ausschusses für Wissenschaft und Kunst, machte Mut. "Es muss alles gegeben werden, damit das Filmtheater bestehen bleibt", erklärte Brannekämper im großen Saal des Filmtheaters. "Ich gehe davon aus, dass der Landtag die Petition für berechtigt empfindet."

Mathias Pfeil, der Generalkonservator des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, sprach von einer "Herzkammer" Münchens. "Das ist ein Raum, der mir sehr am Herzen liegt, so wie anderen Münchnern auch. Kinoräume wie diese findet man nicht mehr viele", betonte Pfeil. Da das gesamte Gebäude, inklusive der Ausstattung, unter Denkschmalschutz stehe, sei eine denkmalrechtliche Erlaubnis durch das Landesamt notwendig, um Änderungen vorzunehmen.

Die Familie Preßmar will nach wie vor nicht kampflos aufgeben. Nachdem einige Hauseigentümer im September 2020 eine Räumungsklage eingereicht hatten, treffen die Parteien am Montag, 8. März, vor dem Landgericht I aufeinander. Ziel sei es, durch eine Güteverhandlung eine einvernehmliche Lösung zu finden, so Oliver Preßmar. "Wenn es jedoch zu keinem Kompromiss kommt, dann tritt der Richter direkt in die Hauptverhandlung ein." Sollte das Gericht der Räumungsklage stattgeben, will die Pächterfamilie in die zweite Instanz gehen.

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SZ vom 05.03.2021/kafe
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