Süddeutsche Zeitung

Corona-Maßnahmen: 21 Münchner in Quarantäne unter polizeilicher Überwachung

Sie hatten sich geweigert, die wegen der Pandemie geltenden Regeln zu befolgen, deshalb hat sie die Stadt zwangsweise in einem Hotel im Münchner Osten untergebracht.

Von Thomas Schmidt

Irgendwann reißt auch der Staatsmacht der Geduldsfaden: Weil sich mehrere Personen trotz wiederholter Aufforderung hartnäckig geweigert hätten, die wegen der Pandemie geltenden Quarantäne-Regeln zu befolgen, hat sie die Stadt zwangsweise in einem Hotel im Münchner Osten untergebracht und dort von der Polizei bewachen lassen.

Auf Nachfrage der SZ bestätigte das städtische Gesundheitsreferat am Freitag, dass man im Zeitraum von Februar bis August dieses Jahres insgesamt 21 Münchner auf diese Weise isoliert habe. Zuerst hatte der Bayerische Rundfunk darüber berichtet. Bei den Betroffenen handelt es sich offenbar sowohl um Personen, die sich selbst mit dem Coronavirus infiziert hatten, als auch um Kontaktpersonen von Infizierten, die sich ebenfalls selbst in Quarantäne hätten begeben müssen - und das einfach nicht taten.

Die "Zwangsabsonderung", wie die Behörde die Maßnahme bezeichnet, sei nötig geworden, nachdem auch "verstärkte Ansprachen mit Appellen an die Einsichtsfähigkeit" einfach nicht fruchten wollten. Nähere Angaben zu den betroffenen Personen will das Referat nicht machen, ein Sprecher verrät lediglich auf Nachfrage, dass sie in München wohnhaft und "zumeist jüngeren Alters sind". Letztendlich habe man die erzwungene Quarantäne bei Gericht beantragt und die Betroffenen anschließend in einem angemieteten Apartmenthotel untergebracht. Die juristische Grundlage hierfür sei das Infektionsschutzgesetz. Die Polizei bestätigt, dass sie mit "wenigen Streifenwagenbesatzungen" vor Ort war, um zu verhindern, dass die Zwangsabgesonderten Reißaus nehmen.

Die 21 Münchner wurden zwar unter Zwang in Quarantäne gesteckt, aber eine "medizinische Zwangsbehandlung fand natürlich nicht statt", betont der Sprecher des Referats für Gesundheit und Umwelt. In dem Hotel seien die Betroffenen sozialpädagogisch betreut und "umfangreich verpflegt" worden.

Inzwischen stecke niemand mehr gegen seinen Willen in dem Hotel oder einer anderen Unterbringung fest. "Aktuell wird in München keine Zwangsabsonderung vollzogen", erklärt das Gesundheitsreferat. Und auch die Münchner Polizei bestätigt auf Nachfrage: "Momentan sind wir in diesem Zusammenhang nicht im Einsatz."

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SZ vom 05.09.2020/infu
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