Süddeutsche Zeitung

Lange Nacht der Volkshochschulen in Ottobrunn:Von Arabisch bis Salsa

Bei der Langen Nacht der Volkshochschulen bietet die VHS Süd-Ost den Besuchern einen Einblick in das breite Spektrum ihres Programms. Wer sich durchs Wolf-Ferrari-Haus treiben lässt, kann am Ende sogar Strichmännchen zeichnen und ein Theaterstück improvisieren.

Von Pauline Deichelmann, Ottobrunn

"Góðan dag. Ég heiti Anna." Isländischdozentin Anna Sigrin Jonsdottir begrüßte die Teilnehmer ihres Schnupperkurses, die am Freitagabend ins Wolf-Ferrari-Haus nach Ottobrunn gekommen waren. Dort bot die Volkshochschule Süd-Ost anlässlich der Langen Nacht der Volkshochschulen, mit denen die Erwachsenenbildungseinrichtungen in ganz Deutschland ihren 100. Geburtstag feierten, einen abwechslungsreichen Einblick ins das breite Spektrum ihres Programms.

Gerade einmal 338 000 Menschen leben auf Island, nicht viel mehr sprechen ihre Sprache. Anna Perner und ihre Tochter Ella hielt das nicht davon ab, für eine Dreiviertelstunde in die Sprache hinein zu hören, die ausschließlich in dem dünn besiedelten Inselstaat im Norden gesprochen wird. Die 13-jährige Ella reitet leidenschaftlich gerne und plant ein Auslandsjahr auf einem Gestüt in Island, daher ist ihre Motivation groß, die Sprache zu lernen. Ihre Mutter unterstützt sie dabei. Nach 45 Minuten konnte der kosmopolitisch bewegte Besucher zu Crashkursen in Arabisch, Polnisch oder Kroatisch wechseln.

Improvisieren auf der Bühne

Oder zu einem der Computerkurse. Im Kurs "Sichere Passwörter erstellen" verriet Dozent Andreas Mayer den Teilnehmern, wie man es Hackern schwer macht - und sich seine Passwörter merkt. Dazu benötigt man ein Raster mit Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen. Mit einem individuellen Pfad auf der Karte können unterschiedliche Passwörter erstellt und wiederhergestellt werden. "Hey hoh", rief es unterdessen den Besuchern aus dem Obergeschoss des Ottobrunner Kulturzentrums entgegen. Dort zeigte Rosalie Eberhardt einer Gruppe die Grundlagen des Improvisierens auf der Bühne. Nach ein paar Übungen und Spielen konnten diese eigene kleine Szenen entwickeln. "Es hat mir unfassbar Spaß gemacht", so eine Teilnehmerin über ihre Erfahrung. "Nur mit der Spontanität funktioniert es bei mir noch nicht so." Ob sie sich letztendlich für den Kurs entscheidet, ist daher noch nicht sicher.

Direkt nebenan malten Kinder und Erwachsene unter der Anleitung von Manuela Engelhardt Strichmännchen. Dabei standen die Gesichtsausdrücke im Vordergrund. "Die Männchen sind ein echter Brückenbauer, da man ihre Emotionen immer versteht", erklärte die Kursleiterin. "Wie würden Sie denn einen erschrockenen Menschen malen?", fragte einer der Teilnehmer. Mit großen Augen. Die sind besonders charakteristisch für diese Emotion, so die Grafikerin.

Vorträge und Veranstaltungen etwa zu den Themen Klimaschutz, Gesundheit und künstliche Intelligenz rundeten das insgesamt vierstündige Programm ab, während dem man sich durch das Wolf-Ferrari-Haus treiben lassen und ohne Anmeldung und Bezahlung überall hineinschnuppern konnte. Im Erdgeschoss waren über den ganzen Abend mehrere Stände mit Leckereien aufgebaut - nicht nur zur Verköstigung der zahlreichen Besucher, sondern auch aus einem ernsten Hintergrund: Rebekka Topp informierte über gesunde und gleichzeitig leckere Ernährung. "Gesundes muss nicht langweilig sein", klärte sie Interessierte auf.

Ob kleine Aprikosen-Schoko-Bällchen oder Gemüsesticks - die Snacks kamen an. "Kann ich das Rezept haben?", diese Frage bekam die Ernährungsexpertin immer wieder zu hören. Ihr liegen vor allem die Kurse für Kinder am Herzen. Denn diese bekämen täglich falsche Ernährung vorgelebt. In ihren Kursen nehmen daher Regionalität und Saisonalität von Obst und Gemüse einen hohen Stellenwert ein.

Christof Schulz, der Leiter der Volkshochschule Süd-Ost, war beeindruckt von der Masse an Menschen, die sich für bei der Langen Nacht am Freitag für das Programm interessierten. "Das ist es, was die VHS ausmacht: zusammenzukommen und Gemeinschaft zu erleben." Zum Abschluss motivierte er - nicht zuletzt die Männer - auch noch zur großen Salsa-Party zu bleiben.

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Quelle:
SZ vom 23.09.2019/belo
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