Süddeutsche Zeitung

Brunnthal:Ein Stadel für die Oldtimer

Faistenhaarer Verein bündelt seine Sammlung in einem Holzbau

Von Bernhard Lohr, Brunnthal

Die Oldtimerfreunde Faistenhaar können loslegen. Die Gemeinde Brunnthal beteiligt sich trotz unsicherer Zeiten und drohender Steuerausfälle mit 45 000 Euro am Aufbau eines Stadels, in dem künftig die Sammlerstücke untergebracht werden sollen. Das Gebäude haben die Fans von alten Traktoren und Motorrädern bereits günstig organisiert. Sie haben die ehemals in Weyarn stehende Holzkonstruktion dort abmontiert und zerlegt in Brunnthal eingelagert. Nun soll der Stadel mit viel Eigenleistung auf dem Gelände des Wasserwerks in Faistenhaar aufgestellt werden.

Die Oldtimerfreunde haben sich mit ihren jährlichen Treffen, zu denen Tausende Fans der historischen Fahrzeuge kommen, einen Namen in der Region gemacht. Biker kommen in Tracht auf alten BMWs von weit angefahren. 500 Fahrzeuge waren vergangenes Jahr auf dem Gelände an der Ottobrunner Straße zu bestaunen, darunter außer alten Lanz- oder Eicher-Traktoren auch Autos und Lkw. Bei Dreschvorführungen wird immer wieder gezeigt, wie die Technik in der Landwirtschaft Einzug hielt. Trotz solcher Aktivitäten haben die Bulldogfreunde nach 32 Jahren noch keine feste Bleibe. Fahrzeuge sind an verschiedenen Orten in der Gemeinde untergestellt, wie auf Gut Riedhausen. Ein Wagen der Brunnthaler Feuerwehr, Baujahr 1972, gehört dazu.

Der finanzielle Beitrag der Gemeinde für den Aufbau des Stadels war nicht unumstritten. Robert Huber (Parteifreie Wählergruppe) warb im Gemeinderat dafür, die sehr rührige Gemeinschaft zu unterstützen. Doch obwohl 75 000 Euro im Haushalt 2020 vorgesehen sind, stand im Raum, das Ganze zu verschieben. Wie stark die Corona-Krise Brunnthal finanziell trifft, sagt explizit niemand. Doch die Sorgen sind bei einigen Gemeinderäten groß, dass es schlimm wird. Christine Zietsch (SPD) sagte, sie unterstütze den Einsatz der Bulldogfreunde, aber sie könne die Ausgabe in der aktuellen Situation nicht befürworten. Ihr Antrag, die Angelegenheit zurückzustellen, und in einem Jahr neu zu behandeln, wurde aber mit 16 zu 4 Stimmen abgelehnt. Nachdem Huber zugesagt hatte, man werde die Kosten drücken, befürwortete eine Mehrheit von 17 zu 3 Stimmen eine Finanzspritze von 45 000 Euro. Bürgermeister Stefan Kern (CSU) kann den Bauantrag, den Huber bei sich auf dem Tisch liegen hatte, auf kurzem Dienstweg behandeln.

So wird in Faistenhaar also in diesem Sommer angepackt und der Stadel aufgebaut. Das Oldtimer-Treffen ist ja wegen Corona abgesagt. Bedenken von Christine Zietsch und auch Hilde Miner (Grüne), dass ausgerechnet am Wasserwerk alte Fahrzeuge abgestellt seien und mit Öl hantiert werde, wurden zurückgewiesen. Die Oldtimerfreunde seien alle Profis, hieß es. Und das Wasserwerkhäusl, an dem bisher schon viel gelagert worden sei, liege nicht nah am Brunnen.

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Quelle:
SZ vom 30.06.2020
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