Süddeutsche Zeitung

Hörenswert:Swing mit Pfiff

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Eigene Alben und ein gemeinsamer Auftritt im Hofspielhaus: Die Sängerin Gerti Raym und der Trompeter Julian Hesse.

Von Oliver Hochkeppel, München

Wer sich am kommenden Mittwoch nach dem Jazz im Hofspielhaus - obendrein der Neustart der Reihe nach dem Lockdown - eine CD als Souvenir mitnehmen möchte, der hat wirklich mal die Qual der Wahl. Gibt es doch von den beteiligten Musikern diverse und stilistisch höchst unterschiedliche Alben. Wobei dem, was live zu hören sein wird, das aktuelle Album von Gerti Raym am nächsten kommt. Einmal, weil die Münchner Sängerin mit österreichischen Wurzeln im Duo mit dem Gitarristen Philipp Stauber, der seit langem auch ihr Arrangeur und musikalischer Direktor ist, ohnehin Passagen daraus vorstellen wird. Zum anderen, weil auch bei der restlichen Session mit Fritz Tillers Hofspielhaus-Trio und Sängerin Caro Roth, Klarinettist Thomas Haberzeth, Akkordeonist Vlad Ciocaru und Trompeter Julian Hesse als Solisten der dominierende Stil der Swing sein wird. Und ganz dem Swing hat sich Raym seit jeher verschrieben.

Dementsprechend ist sie "Deeply Connected With Ella", wie nun auch der Albumtitel lautet. Ihrem lebenslang verehrten Vorbild Ella Fitzgerald hat sie also ihr fünftes Album gewidmet, das am 15. Juni erschienen ist, dem 25. Todestag Ellas. Klugerweise versucht Raym dabei nicht, sie zu kopieren. Ob beim energetischen Opener "Too Close For Comfort", bei Nat Adderleys "The Old Country", Ellingtons "I'm Just A Lucky So And So", Gershwins "The Man I Love" oder beim finalen Weill/Brecht-Klassiker "Mackie Messer", stets konzentriert sie sich auf den Text und lässt sich dann von den eigenen Gefühlen dazu leiten. Weil Stauber und das souveräne Studio-Quintett dies in zwar klassische, aber im Detail doch überraschende Arrangements einbinden, wird das zum lustvoll-nostalgischen Standards-Hochamt.

Ganz anders klingt, was der Trompeter Julian Hesse, binnen weniger Tage gerade erst mit der Jazzrausch Bigband und dem Rebecca Trescher Tentett zu sehen, in eigener Sache vorgelegt hat, nämlich mit dem Album "Troubleshooter", das sein Trio mit dem Bassisten Peter Cudek und dem Schlagzeuger Sebastian Wolfgruber vorstellt. Ganz den aktuellen stil- und genreübergreifenden Trends verbunden, sind hier Hesses in alle Richtungen und in allen Stimmungen erzählenden Trompetenmotive im einer Art Wechselspiel den meist treibenden, manchmal ("Mantra") auch verschleppten Rhythmen seiner Begleiter verbunden. Komplexe Kompositionen, die doch eingängig ins Gehör wie Gemüt des Hörers geschraubt werden, das ergibt eine faszinierende Klangreise. Auf Platte, aber sicher auch solo im Hofspielhaus.

Gerti Raym: "Deeply Connected With Ella (www.gertiraym.de); Julian Hesse: "Troubleshooter", (HGBS Blue); live Mittwoch, 17. Nov., 20 Uhr, Hofspielhaus, Tel. 24 20 93 33

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