Süddeutsche Zeitung

Vorarbeiten beginnen an diesem Donnerstag:Erstes Windrad wird gebaut

Die Stadtwerke Fürstenfeldbruck lassen an das vorgesehene Grundstück in Mammendorf zunächst untersuchen, bevor das Fundament entsteht. Der Bau der beiden anderen Anlagen wird verschoben

Das erste Windrad der Stadtwerke Fürstenfeldbruck wird demnächst bei Mammendorf errichtet. Das haben am Mittwoch Stadtwerke-Chef Karlheinz Schönenborn und der Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke, Fürstenfeldbrucks Oberbürgermeister Sepp Kellerer, angekündigt. Bereits am Donnerstag beginnen die Vorarbeiten. Die beiden anderen Windräder auf Mammendorfer Flur beziehungsweise im Brucker Stadtteil Puch, sollen erst nach neuen Wirtschaftlichkeitsberechnungen weitergeplant werden. Kellerer hofft, dass es nicht zu einer Klage kommt, die das Projekt verzögern oder gar verhindern könnte. Er gab der Landes- und der Bundespolitik Schuld an der derzeitigen Situation "Die Verunsicherung der Bevölkerung ist durch die Zehn-H-Regelung entstanden", kritisierte Kellerer die Anordnung von Ministerpräsident Horst Seehofer.

"Wir stehen unter einem immensen Zeitdruck", sagte Karlheinz Schönenborn. Zwar sind alle drei von den Stadtwerken geplanten Windräder vom Landratsamt genehmigt und könnten per Sofortvollzug auch gleich gebaut werden, doch die mit der Genehmigung erteilten "umfangreichen Auflagen" sowie das zwingend notwendige Ausschreibungsverfahren verlangen einen strengen Zeitplan. Um die Förderung der Anlagen nach dem bestehenden Gesetz über die erneuerbaren Energien (EEG) noch zu bekommen, müssen die Stadtwerke bis Ende dieses Jahres gebaut haben und in Betrieb gegangen sein. Das aber, so Schönenborn, schaffe man nur mit der Planung für eine einzige Windkraftanlage.

Deshalb wird zunächst auch nichts aus einer Bürgerbeteiligung. Die Zeit sei zu knapp, um den von der Finanzaufsicht Bafin verlangten Prospekt für die Anleger zu erstellen. Darin müssen die Betreiber unter anderem die erwartete Rentabilität belegen und Risiken der Anlageform bekannt machen. Das, so Schönenborn, sei aber erst nach Veröffentlichung der EEG-Novelle möglich. Mit der Neuregelung rechnet er erst im Sommer. Bis dahin sollen auf dem Feld westlich von Mammendorf schon mehr zu sehen sein, als nur der Aushub, der am laut Kellerer am Donnerstag beginnt. Den Stadtwerken wurde vom Landratsamt bis 15. März eine Frist gesetzt, damit die Archäologen den Boden auf Relikte untersuchen können. Dafür muss der künftige Bauplatz erst eingemessen werden, was am Donnerstagvormittag stattfindet, und die oberste Schicht abgehoben werden, was nachmittags beginnen soll. Sind alle Auflagen des Denkmalschutzes erfüllt, kann das Fundament gebaut werden. Parallel dazu sollen laut Schönenborn die Kaufverhandlungen für das Windrad abgeschlossen werden. Gehe alles glatt, so Technikchef Franz Hochstatter, werde der 135 Meter hohe Mast in zwei Etappen auf das Fundament gesetzt und mit der in der Zwischenzeit erstellten Übergabestation verbunden. Dreht sich dann die Windmühle mit einer Spitzenleistung von drei Megawatt bis spätestens 31. Dezember, soll sie so viel Strom produzieren, dass 2000 Haushalte damit versorgt werden können, nämlich bis zu sechs Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Eine Bedingung ist auch noch, dass Kellerer, Schönenborn und der Mammendorfer Bürgermeister Johann Thurner, eine Projektgesellschaft gründen, in der die Stadtwerke sowie die Kommunen Kommanditisten sind.

Ziemlich euphorisch reagierte Jan Halbauer, einer der beiden Vorsitzenden der Kreis-Grünen. Auf seiner Facebook-Seite verbreitete er, dass dies nach dem "ewigen Hin und Her ein großer Fortschritt" sei. Sehr schade sei die fehlende Bürgerbeteiligung, "aber nach den turbulenten letzten Wochen freue ich mich sehr über unser erstes Windrad im Landkreis" Halbauer lobte die Zusammenarbeit mit den anderen Parteien im Stadtrat und den Stadtwerken.

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SZ vom 06.03.2014
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