Süddeutsche Zeitung

Carsharing:Gemeinsam einen Stromer nutzen

Grafrath denkt über Förderung der E-Mobilität nach

Von Manfred Amann, Grafrath

Wenn an zentraler Stelle, etwa in der Nähe des Rathauses in Grafrath oder auf dem Vorplatz des geplanten Lebensmittelmarktes, eine Ladestation installiert würde und zwei oder drei Elektro-Autos für eine kurzzeitige Nutzung bereitstünden, gäbe es sicher genügend Bürger, die sich die Fahrzeuge mit anderen teilen würden. Von diesem Glauben beflügelt, hat der Gemeinderat nun mit einer klaren Mehrheit beschlossen, Möglichkeiten auszuloten, auf welche Weise sich in Grafrath Carsharing mit Strom-Autos umsetzen ließe.

Da es auch in den Mitgliedsgemeinden der Verwaltungsgemeinschaft (VG), Schöngeising und Kottgeisering, Interessenten gibt, könnte man in Grafrath mit der Einführung vorab Erfahrungen sammeln. Bürgermeister Markus Kennerknecht (parteifrei) und Umweltreferent Roger Struzena (Grüne) favorisieren ein Modell, bei der die Gemeinde als Hauptvertragspartner von E-Carsharing-Firmen auftritt. Die Gemeindeverwaltung soll nun von drei Unternehmen Projektangebote einholen und dazu jeweils eine Kostenaufstellung liefern.

In ersten Gesprächsrunden habe eine beachtliche Zahl von Bürgern Interesse an Carsharing und an der Thematik Elektromobilität gezeigt, daher sollte die Gemeinde eine Vorbildrolle übernehmen und entsprechend in Vorleistung gehen, befand Struzena. Besonders Eigentümer von Zweitfahrzeugen hätten im Carsharing eine veritable Sparmöglichkeit erkannt. Manche würden ihr Zweitauto nur wenige Stunden in der Woche nutzen und könnten sich vorstellen, dieses aufzugeben und statt dessen Gemeinschaftsautos stunden- oder tageweiseweise auszuleihen. "Wir können so die Elektromobilität voranbringen und gleichzeitig einen kleinen Beitrag zur Reduzierung von Fahrzeugen im Ort leisten", warb Kennerknecht. Damit die Gemeinde so ein Projekt betreuen, verwalten und auch weitgehend kostendeckend durchziehen könne, müsse aber ein relativ großer Nutzerkreis gewonnen werden, denkt der Rathauschef. Sollten es nur wenig Teilnehmer sein, wäre die Gründung eines entsprechenden Vereins die bessere Lösung. In Schöngeising habe ein ortsansässiges Unternehmen Bereitschaft signalisiert, Carsharing bei entsprechender Teilnehmerzahl anzubieten.

Wie Struzena vorschlug, sollte man nicht nur Carsharing-Modelle prüfen, bei denen nur Bürger Autos ausleihen können. So wäre es zum Beispiel auch denkbar, dass die Gemeinschaftsfahrzeuge auch von Mitarbeitern der VG für Dienstfahrten gebucht werden. Diese würden dann wie jeder andere Teilnehmer auch, ihre Fahrten vorher anmelden und so durch die Nutzung die Kosten für Dienstfahrten mit dem Privatauto einsparen. "Auch wenn es ein komplexes Thema ist, sollten wir uns das genauer ansehen", riet der Gemeindechef. Es gebe Unternehmen, die auch die Ladesäulen stellen, man werde sehen, was günstiger sei, selbst eine aufzustellen oder es der Partnerfirma zu überlassen.

Man brauche einen "Kümmerer", der dafür sorge, dass die Fahrzeuge regelmäßig gepflegt und gewartet würden und den und man eventuell mit "Freifahrzeiten" bezahlen könne. Ebenso müsse man über den besten Standort nachdenken, denn "davon hängt sehr wesentlich die Akzeptanz ab", so Kennerknecht. Laut einer von Struzena aufgestellten Kalkulation, würden für ein Leasing-Auto inklusive Wartung und Verwaltungs- und Buchungskosten knapp 10 000 Kosten jährlich anfallen.

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Quelle:
SZ vom 02.08.2018
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