Süddeutsche Zeitung

Freisinger Verein "Übrig":Ziel überraschend schnell erreicht

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Der Verein hat die avisierten 12 000 Euro an Spenden für die Wiedereröffnung seines gleichnamigen Cafés beisammen.

Von Gudrun Regelein, Freising

Das Ziel war bereits zehn Tage zuvor erreicht: 12 330 Euro waren am Donnerstagmittag gespendet worden - das war mehr als die 12 000 Euro, die man über Crowdfunding eigentlich bis Ende Oktober einsammeln wollte. "Wir sind richtig glücklich", sagt Carolin Stanzl, eine der Gründerinnen des Freisinger Vereins "Übrig". Für die Neu-Eröffnung seines Cafés ist der Verein seit Anfang Oktober auf der Suche nach finanzieller Unterstützung: 177 Spenderinnen und Spender haben sich bereits gefunden.

"Wir haben nicht damit gerechnet, dass wir unser Ziel so schnell erreichen", sagt Stanzl. Das Geld brauche der Verein für den Umzug und die Einrichtung der neuen Räume. "Momentan haben wir vieles - wie die Kaffeemaschine und die Spülmaschine - nur ausgeliehen", erklärt Stanzl. Zukünftig wolle man etwas Eigenes haben, "wir brauchen Möbel, Tresen, Fairteiler, Küchengeräte, Spülmaschine, Küche und natürlich eine Kaffeemaschine", zählt Stanzl auf.

Der 2020 gegründete Verein macht sich gegen Lebensmittelverschwendung stark

Erst seit Ende 2020 gibt es den gemeinnützigen Verein, etwa 60 Mitglieder machen sich hier mittlerweile gegen Lebensmittelverschwendung stark. In diesem Frühjahr wurde dann das "Café Übrig" an der Ziegelgasse, das erste Foodsharing-Café in Bayern, eröffnet. Ende Oktober ist hier Schluss, danach wird der Umzug in neue und größere Räume an der General-von-Nagel-Straße vorbereitet. Dort wird es auch einen eigenen Schulungsraum geben. "Wir möchten einen Ort schaffen, an dem Menschen für Lebensmittelwertschätzung sensibilisiert werden, wo gemeinsame Aktionen und auch Seminare zum Thema Nachhaltigkeit stattfinden können", erklärt Carolin Stanzl. Im Frühjahr 2022 - bestenfalls von Mitte März an - soll dann das neue Café Übrig in Freising täglich geöffnet sein.

Bevor es aber endgültig in die Winterpause ging, veranstalte der Verein am vergangenen Samstag noch ein Herbstfest, bei dem natürlich Gerichte und Kuchen aus geretteten Lebensmitteln angeboten wurden. Viele Besucher seien gekommen, 300 oder mehr habe man gezählt. "Es war eine sehr schöne, ungezwungene Atmosphäre, es kamen die unterschiedlichsten Menschen, die miteinander ins Gespräch gekommen sind", erzählt Stanzl. Alleine an diesem Tag habe man zehn neue Mitglieder gewonnen. "Ein Wahnsinn", sagt Stanzl. Auch durch das Crowdfunding habe man viel Aufmerksamkeit bekommen, "das nimmt alles eine sehr positive Entwicklung", freut sich Stanzl. Inzwischen meldeten sich immer mehr Firmen, die den Verein unterstützen wollen oder eine Kooperation anbieten.

Essen und Getränke sind kostenlos, man darf aber spenden

Im "Café Übrig" kommt auf den Teller, was sonst im Abfall gelandet wäre. Bezahlen muss man für sein Essen oder die Getränke nichts, spenden darf man aber gerne. Die geretteten Lebensmittel, aus denen neue Gerichte entstehen, kommen von Hotels, Restaurants und Geschäften. Bäckereien bringen nach Ladenschluss übrig gebliebene Croissants und anderes Gebäck vorbei.

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Quelle:
SZ vom 22.10.2021/ilos
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