Süddeutsche Zeitung

Nordostumfahrung von Freising:Bauen ohne Sommerpause

Die Arbeiten am letzten Teilstück der Nordostumfahrung schreiten planmäßig voran. Im Herbst soll sie eröffnet werden, Anwohner der aktuell erforderlichen Umleitungsstrecken dürften darüber erleichtert sein.

Von Thilo Schröder, Freising

Es ist eine gute Nachricht für die zuletzt lärmgeplagten Palzinger, die dieser Tage von Seiten des Staatlichen Bauamts Freising verlautet: Die Nordostumfahrung von Freising wird voraussichtlich wie angekündigt im Herbst 2020 eröffnet. Damit ist eine viel befahrene Umleitungsstrecke durch Palzing, die bei Anwohnern für massiven Unmut sorgt, zumindest in absehbarer Zeit Geschichte.

Nachdem die Arbeiten am Südanschluss zur Staatsstraße 2350 und im Bereich der freien Strecke bereits fortgeschritten sind, wird seit Anfang Juni als letztes Teilstück der nördliche Anschluss der Ortsumfahrung bei Erlau gebaut. "Alles ist derzeit im Zeitplan", sagt Ludwig Maatsch, einer der beiden Projektleiter vom Staatlichen Bauamt Freising. Beim Bau habe es "keine Sommerpause" gegeben; auch wenn üblicherweise viele Baufirmen ein bis zwei Monate im Sommer pausieren würden. Auch seien keine neuen Probleme oder Herausforderungen aufgetreten, die zu Verzögerungen hätten führen können.

Im Zuge dieser letzten Bauphase ist die B 301 zwischen Tüntenhausen und Zolling seit 2. Juni bis voraussichtlich Ende Oktober komplett gesperrt. Neben dem nördlichen Anschluss der Nordostumfahrung werden derzeit Strom- und Wasserleitungen verlegt. Am südlichen Ortseingang von Erlau entstehen außerdem ein Kreisverkehr und ein Durchlass für Radler und Fußgänger. Dazu wird die Ortsdurchfahrt Erlau ausgebaut und erhält einen neuen Geh- und Radweg sowie eine neue Entwässerung. Außerdem baut man in Erlau einen lärmmindernden Fahrbahnbelag ein.

Anwohner berichten von schlaflosen Nächten

Der Verkehr wird über mehrere Umleitungsstrecken unter anderem über Oberappersdorf und Bergen in Richtung Moosburg und über Palzing geleitet. Laut Eva Hopfenspirger, technische Oberinspektorin des Staatlichen Bauamtes, hat sich der zusätzliche Verkehr auf den Strecken "insgesamt gut eingependelt". Insbesondere die in Palzing für die Dauer der Baumaßnahme aufgestellte Ampel trage zur Verkehrssicherheit bei. Seitens der Anwohner habe es zwar "schon Beschwerden" gegeben, "aber das sind einzelne".

Nachfragen bei Anwohnern in Palzing hatten zuletzt allerdings ein anderes Bild von der Situation ergeben. Die SZ sprach im Juli mit einem Ehepaar, das Beschwerden aus der Nachbarschaft zusammengetragen hatte: über schlaflose Nächte trotz Umzugs in andere Zimmer, über die Unmöglichkeit auf der Terrasse zu sitzen wegen Lärms und Abgasen, über Motorradfahrer mit aufgemotzten Auspuffanlagen, über abendliche Autodiscos.

Hinzu kommt, dass aktuell der Verkehr von einer weiteren, viel befahrenen Straße durch Palzing und Haindlfing umgeleitet wird. Neben dem Verkehr von Osten durch den Bau der Nordosttangente kommt von Westen her seit Pfingsten auch der Verkehr aus Allershausen, Stauflüchter von der Autobahn A 9 und Maut-sparende Lastwagen inklusive. Denn zwischen Kirchdorf und Burghausen wird die Kreisstraße FS 8 saniert und ist komplett gesperrt.

Angesichts dieser stark erhöhten Verkehrsbelastung haben die Palzinger Maßnahmen zur Linderung gefordert. Offenbar wenig erfolgreich. Immerhin müssen sie nun nicht auch noch eine Verzögerung der Baustelle an der neuen Nordostumfahrung verkraften. Dort ausstehende Restarbeiten sollen bei dann schon laufendem Verkehr zum Jahresende vorgenommen werden, wie Ludwig Maatsch vom Freisinger Bauamt sagt - und das möglichst zeitnah. Die Kosten für die gut vier Kilometer Straße betragen 42 Millionen Euro, auch daran wird sich voraussichtlich nichts mehr ändern: "Kostensteigerungen sind nicht zu erwarten", sagt Maatsch. Die Nordostumfahrung wird von Naturschützern indes scharf kritisiert, da eine Schneise quer durch Wald und Flur geschlagen wurde. Dafür sollen, so sagen es Prognosen voraus, knapp 8000 Autos weniger am Tag durch die Mainburger Straße in Freising fahren.

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Quelle:
SZ vom 24.08.2020/nta
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