Süddeutsche Zeitung

Neufahrn:Pläne für grünen Technologie-Campus

Südlich des Gewerbegebiets am Römerweg soll auf zwölf Hektar Fläche der deutschlandweit erste "Green Campus" entstehen.

Von Birgit Grundner, Neufahrn

Die Details des "Green Campus Neufahrn" müssen erst noch entwickelt werden, aber die Hoffnungen sind jetzt schon groß: Von einem möglichen "Leuchtturmprojekt" und einem "Imagegewinn" war die Rede. Die zukunftsweisende Entwicklung, die Ökologie und Ökonomie unter einen Hut bringe, werde auch Modell für andere Orte sein, sagte Bürgermeister Franz Heilmeier (Grüne), als die Jost Energy AG ihre die Pläne für den angeblich "ersten grünen Technologie-Gewerbe-Campus in Deutschland" öffentlich vorstellte. Dieser soll auf einer zwölf Hektar großen landwirtschaftlichen Fläche südlich des Gewerbegebiets am Römerweg entstehen.

Eine breite Mehrheit des Gemeinderats will die Zusammenarbeit mit Jost nun vorantreiben. Mit 19:6 Stimmen wurde beschlossen, das Areal tatsächlich als Gewerbecampus auszuweisen und den Flächennutzungsplan entsprechend zu ändern. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde und unter Beteiligung der Öffentlichkeit soll aus dem Konzept jetzt ein Masterplan werden. 2026 könnten nach den Vorstellungen von Jost die ersten Gebäude stehen. Der Unternehmer betätigt sich mit seiner Firma seit 30 Jahren als Projektentwickler und beschäftigt sich dabei vor allem mit Energiethemen.

2026 könnten die ersten Gebäude stehen

Im "Green Campus Neufahrn" sollen sich - geografisch gesehen zwischen Flughafen, Autobahn und Universitäten - vor allem Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen ansiedeln. Gedacht ist an Gebäude für Produktion, Verwaltung, Labore und Startups. Sie sollen innovativ gebaut, aber zum Beispiel auch energetisch zusammengeführt und digital verknüpft werden, wie Professor Mike de Saldanha erläuterte. Auch ein "Bezug zur Landwirtschaft" könnte hergestellt werden, etwa durch die Entwicklung neuer Treibstoffe oder "digital farming". Arbeiten im Bereich künstliche Intelligenz und neue Mobilitätsformen könnten ebenfalls eine Rolle spielen. Beispielsweise arbeite Jost gerade an der Entwicklung eines Wasserstoffspeichers mit, berichtete de Saldanha weiter.

Den Projektentwicklern schwebt aber beispielsweise auch eine "ausgeprägte Grünflächenausstattung" vor, und sie versprechen insgesamt einen sparsamen Umgang mit Ressourcen. Es sei ein Projekt, "das wir seitens der Wissenschaft seit 25 Jahren suchen und fordern", freute sich Umweltreferent Frank Bandle (Grüne), der von Beruf Meteorologe und Klimaforscher ist: "Wir können damit einen richtigen 'Wumms' setzen." Bis zu 3000 Arbeitsplätze sollen entstehen - und das auf einer überschaubaren Fläche, lobte Maximilian Heumann (SPD).

Es gab in der Gemeinderatssitzung auch kritische Stimmen: "Es ist das richtige Projekt an der falschen Stelle", fasste Norbert Manhart (Freie Wähler) seine Bedenken zusammen. Der Standort sei begrenzt durch die alte B 11, den Logistikpark und Mintraching. Sollte das Konzept erfolgreich sein, gäbe es keine Erweiterungsmöglichkeiten mehr, warnte er. Verkehrsprobleme fürchtet Johannes Häuser (Bürger für Neufahrn), zumal die ersehnte S-Bahn-Haltestelle bislang "nur hypothetisch vorhanden" sei. Weil die Flächen über Investoren vermarktet würden, werde der Gemeinde auch "viel Geld durch die Lappen gehen". Christian Buschendorf (Bürger für Neufahrn) würde an dem Standort lieber ortsansässige Firmen sehen. "Davon könnte die Gemeinde mehr profitieren." Ablehnend standen dem Vorhaben auch Franz Eckl (FDP), Christa Kürzinger (CSU) und Attila Szalontay (Afd) gegenüber.

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SZ vom 16.09.2020
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