Süddeutsche Zeitung

Kopf-an-Kopf-Rennen in Moosburg:200 Stimmen mehr

FW-Kandidat Josef Dollinger setzt sich mit 51,2 Prozent knapp gegen Michael Stanglmaier (Grüne) durch und wird im dritten Anlauf Bürgermeister.

Von Alexander Kappen, Moosburg

Josef Dollinger von den Freien Wählern ist im dritten Versuch am Ziel angekommen. Nach zwei vergeblichen Anläufen setzte er sich am Sonntag in der Stichwahl um den Moosburger Bürgermeisterposten nach einem extrem spannenden Wahlabend mit 51,2 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen gegen Michael Stanglmaier von den Grünen (48,8 Prozent) durch. Damit folgt der amtierende Vizebürgermeister im Mai Anita Meinelt (CSU) nach, die nach 18 Jahren im Amt nicht mehr kandidiert hatte.

Dollinger gelang es, das Ergebnis aus dem ersten Wahlgang am 15. März umzudrehen. Den hatte Stanglmaier mit 30,04 Prozent vor Dollinger (28,83 Prozent) für sich entschieden. Man durfte gespannt sein, wie viele der knapp 25 Prozent der Wähler, die am 15. März bei Georg Hadersdofer (CSU) ihr Kreuzchen gemacht hatten,

Dollinger würde für sich gewinnen können. Die CSU, so deren Ortsvorsitzender Erwin Weber vor der Stichwahl, sei schließlich den Freien Wählern von der DNA her recht ähnlich. Insofern war Josef Dollinger sicherlich ein wenig überrascht, dass es gar so knapp war. "Ich habe schon ein spannendes Rennen und ein knappes Ergebnis erwartet, aber dass es so eng hergeht, hätte ich mir dann doch nicht gedacht", sagte der neue Bürgermeister am Sonntagabend, als sein Sieg feststand. Am Ende hatte er nur gut 200 Stimmen mehr auf sich vereinen können als Stanglmaier. Die Wahlbeteiligung lag am Sonntag bei 65,4 Prozent und somit höher als am 15. März (60,1 Prozent). Da es ausschließlich eine Briefwahl gab "und es für die Wähler somit noch einfacher war, ihre Stimme abzugeben, hätte ich mir vielleicht noch eine höhere Beteiligung erhofft", so Dollinger. Aber insgesamt fast 9000 abgegebene Stimmen seien unter dem Strich schon auch in Ordnung.

Eine vernünftige Politik für die Stadt - "das packen wir jetzt an"

Dollinger betonte, er wolle nicht nur der Bürgermeister für die Moosburgerinnen und Moosburger sein, die für ihn gestimmt haben, "sondern auch für die, die Michael Stanglmaier gewählt haben und für die Nicht-Wähler - ein Bürgermeister für alle". Es gelte jetzt, unabhängig vom Parteibuch und ohne irgendwelche Ideologien, zusammenzuarbeiten "und eine vernünftige Politik für die Stadt zu machen - das packen wir jetzt an", sagte Dollinger.

Dabei kann er auf die Kooperation seines unterlegenen Stichwahlkonkurrenten zählen. "Jetzt geht es darum, in der derzeit schwierigen Situation durch die Corona-Krise die Gemeinsamkeiten in den Fokus zu rücken, um Moosburg da möglichst gut durchzubringen", sagte Stanglmaier am Sonntagabend. "Das ist eine schwierige Lage für das ganze Land und natürlich auch die Kommunen, die Geschäfte und Unternehmen", so Stanglmaier, "das wird Moosburg nicht nur heuer, sondern noch länger beschäftigen".

Lange der verlorenen Stichwahl hinterhertrauern will Stanglmaier, derzeit Moosburgs Dritter Bürgermeister, übrigens nicht, "auch wenn das Ergebnis natürlich sehr knapp und auch bitter war". Rund 200 Stimmen Unterschied, das bedeute: "Wenn gut 100 Wähler sich für mich entscheiden und nicht für den Konkurrenten, dann hätte es auch anders ausgehen können", so Stanglmaier. "Dann fragt man sich schon, hätte ich an der einen oder anderen Stelle vielleicht was anders machen können." Aber letztlich stehe das Positive im Vordergrund. "Das Ergebnis ist eine Bestätigung für unser Team, unseren guten Wahlkampf und unsere Inhalte", sagte Stanglmaier, der sein Abschneiden auch als persönliche Bestätigung auffasst, "vor allem auch für meine Arbeit in den vergangenen sechs Jahren als Dritter Bürgermeister". Apropos. Demnächst seien ja für die neue Amtszeit auch noch Stellvertreterposten zu vergeben. "Und das Ergebnis ist ein deutliches Zeichen, wen die Leute vielleicht als Zweiten Bürgermeister haben wollen", so Stanglmaier. Von den 8943 abgegebenen Stimmen bei der Stichwahl waren 73 ungültig. 4539 gingen an Dollinger, 4331 an Stanglmaier.

Der gesteht sich selbst jetzt "einen Tag Enttäuschung" zu, danach "schauen wir wieder nach vorne und packen an". Und den Champagner, den er für den Fall eines Wahlsiegs geschenkt bekomme habe, sagte er am Sonntag, "den trinken wir heute trotzdem noch".

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SZ vom 30.03.2020/nta
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